Belgien:Molenbeek bleibt weiterhin ein Problemviertel

In Molenbeek, das besonders viele Islamisten beherbergt, versprach Innenminister Jan Jambon "aufzuräumen". Der konservative flämische Nationalist heckte einen "Kanalplan" aus: In neun Problemgemeinden entlang des trüben Gewässers, das durch Brüssel schleicht, sollten 300 zusätzliche Polizisten für mehr Sicherheit sorgen. Erst einmal mussten sie herausfinden, mit wem sie es zu tun hatten. 8600 Wohnungen wurden allein in Molenbeek durchsucht, betroffen war ein Viertel der Einwohner. 1600 Vereine wurden kontrolliert, in 51 Fällen hat man Verbindungen zu Radikalen oder Terroristen entdeckt. 300 Untersuchungen laufen noch.

Diese Überprüfungen seien dringend nötig, sagte Jambon der Zeitung De Morgen, warnte aber vor zu hohen Erwartungen. "Innerhalb eines Jahres löst man keine Probleme, die auf einer jahrzehntelangen Fehlentwicklung beruhen." Warum sich noch immer derart viele junge Nachkommen von Einwanderern in Brüssel vom gewalttätigen Islamismus faszinieren lassen, weiß niemand genau. "Auf die Schnelle lassen sich solche Fragen nicht beantworten", zitiert Le Soir den Soziologen Stéphane Beaud. Das werde "vielleicht drei Jahre oder mehr dauern". Eine gewichtige Rolle spielt sicher die weiter düstere wirtschaftliche Lage in Molenbeek. Die Arbeitslosigkeit ist enorm hoch, jeder vierte Anwohner lebt von staatlicher Hilfe. "Die kritische Masse, die einem radikalen Diskurs anhängt, ist gewachsen", sagte der Molenbeeker Beamte Olivier Vanderhagen De Morgen. "Der Kanalplan hat diesen Nährboden nicht weggenommen."

Ein weiterer Faktor sind radikale religiöse Einrichtungen. Vor allem die Große Moschee, nur einen Steinwurf von den europäischen Institutionen entfernt, ist ins Visier der Ermittler geraten. In dem Gebetshaus, das von Saudi-Arabien finanziert wird, sollen ein strenger Wahabismus und radikales Gedankengut gepredigt werden. Vertreter der Moschee bestreiten das zwar, doch wird inzwischen erwogen, die Justiz einzuschalten.

200 Meter entfernt wird an diesem Mittwoch ein Denkmal für die Anschläge enthüllt. Der König und seine Frau werden zudem nach Maelbeek fahren, wo für neun Uhr elf eine Schweigeminute geplant ist. An der Oberfläche sollen Bus- und Tramfahrer hupen. Als Hommage an die Opfer.

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