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Belarus:Tichanowskaja gesteht vorläufige Niederlage ein

Swetlana Tichanowskaja

Monatelang war es zu Protesten gegen den Ausgang der Präsidentschaftswahl in Belarus gekommen. Nun muss Oppositionsführerin Tichanowskaja die vorläufige Niederlage der Bewegung einräumen. (Archivbild)

(Foto: Claudio Bresciani/dpa)

Die Oppositionsführerin sagt, die Rückkehr zur Demokratie brauche mehr Zeit als angenommen. Man wolle sich für die nächsten Kämpfe besser organisieren.

Die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja gesteht eine vorläufige Niederlage der Oppositionsbewegung gegen Machthaber Alexander Lukaschenko ein. "Ich muss zugeben, wir haben die Straße verloren", sagte sie in einem Interview mit der Schweizer Zeitung Le Temps. "Wir haben nicht die Mittel, um der Gewalt des Regimes gegen die Demonstranten etwas entgegenzusetzen."

Die Opposition sei dabei, Strukturen für die nächsten Kämpfe aufzubauen. "Unsere Strategie ist es, uns besser zu organisieren, das Regime unter ständigen Druck zu setzen, bis die Menschen wieder bereit sind, auf die Straße zu gehen, vielleicht im Frühjahr." Eine Rückkehr zur Demokratie brauche mehr Zeit als angenommen, so Tichanowskaja weiter.

In Belarus hatte der Ausgang der Präsidentschaftswahl am 9. August vergangenen Jahres monatelange Massenproteste ausgelöst. Die Proteste wurden oft brutal niedergeschlagen. Lukaschenko hatte sich mit 80,1 Prozent zum Sieger erklären lassen. Das Ergebnis gilt als gefälscht. Die Demokratiebewegung sieht Tichanowskaja als Gewinnerin. Sie war anstelle ihres inhaftierten Mannes angetreten.

Zurzeit befindet sich Tichanowskaja im Exil in Litauen. Ihr Mann sitzt in Belarus in Haft. Die Oppositionsführerin will im März in die Schweiz reisen, wo am 23. März der UN-Menschenrechtsrat tagt. Das Gremium will sich auch mit der Situation in der Ex-Sowjetrepublik befassen. Tichanowskaja sagte, sie überlege jeden Tag, ob sie nach Belarus zurückkehren solle. Manchmal sei sie der Verzweiflung nah. "Aber man wird sich dann schnell klar, das kann man nicht machen, wenn man ein Symbol ist, eine nationale Anführerin, dann kann man nicht einfach aufgeben", sagte sie.

Am Wochenende hatte es in Belarus neue, kleiner Proteste gegeben. Auslöser dafür waren jüngste Verurteilungen zweier Journalistinnen gewesen. Am Montag will Lukaschenko den russischen Präsidenten Wladimir Putin in Sotschi treffen.

© SZ/dpa/hij
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