Bahn-Projekt Stuttgart 21 Leger legt die Latte hoch

Und Leger legt die Latte gleich selbst noch ein wenig höher: "Mein Ziel ist nicht die aktuelle Kostenobergrenze für S21 von 6,5 Milliarden Euro. Ich will, dass Stuttgart 21 einen Preis von 5,8 Milliarden Euro nicht überschreitet." Die Kosten, das ist die eine Einheit, in der Legers Arbeit gemessen werden wird. Die andere ist die Zeit. Leger sagt: "Es gibt einen definitiven Eröffnungstermin, gegen den wir laufen: Das ist 2021. Der Termin 2021 ist für mich ein Ereignis, das nicht verschiebbar ist - wie eine Fußball-WM."

"Nicht nur ein paar Deppen, die das bauen wollen"

Damit das klappt, setzt er auf gute Stimmung, die "Gnade der späten Geburt", er ist ja unbelastet vom bisherigen Streit. Und auf das städteplanerische Argument: "Ein neues Viertel entsteht, eine grüne Lunge, da müssen doch eigentlich alle begeistert sein." Er sei ein Macher, sagt er, er wolle nicht, dass Projektmitarbeiter andauernd über "behördlichen Schwergang" klagen, sich mit der Vergangenheit beschäftigen: "Bis vor ein paar Monaten wusste ich über Stuttgart 21 auch nur, was in der Zeitung steht, das war alles negativ. Aber jetzt weiß ich: Dieses Bild vom Problemprojekt, das stimmt einfach nicht. Es sind nicht nur ein paar Deppen, die das bauen wollen."

So soll Stuttgart eines Tages aussehen: Ein Modell der Stadt nach dem Bau des neuen Bahnhofs

(Foto: Marijan Murat/dpa)

Aber wie gut kann die Stimmung sein, wenn er mit der Begeisterung eines Zugereisten auf Winfried Hermann trifft, den grünen Verkehrsminister, der pünktlich zu Legers Dienstantritt laut davon träumt, S 21 doch noch zu verhindern? Leger sagt, ihm sei das fremd, dass nicht alle Auftraggeber ein Projekt unterstützen, dass Partner nicht wirklich Partner sind. "Ich kenne kein Projekt auf der Welt, das solchen politischen Einflüssen ausgesetzt ist wie S 21", hat er bei seiner Vorstellung am Donnerstag gleich mal mehr Einigkeit gefordert.

Legers Vorgänger warf hin

Einig mit den Grünen, das wird schwierig. Und mit den Demonstranten? Vom Turm kann man ihre Mahnwache sehen, die 188. Montagsdemo steht an. Leger sagt: "Ich denke nicht, dass ich mir das mal anschauen werde, das ist nicht meine Form."

Es gab schon mal einen anderen S21-Chef, der mit großem Selbstbewusstsein in Stuttgart ankam. Das war 2008 Hany Azer, der Held vom Berliner Hauptbahnhof. Bald brauchte er Leibwächter, und als Projektgegner seine Familie bedrohten, warf er hin. Er hinterließ den Satz: "Ich bin kein Politiker, nur ein Ingenieur."

Ein Politiker ist auch Manfred Leger nicht. Vielleicht muss er es werden. Damit sich niemand vor dem Turmeinsturz fürchtet, damit die Arbeiten in einem halben Jahr wirklich auf Hochtouren laufen und nebenbei der Bahnhofsbetrieb funktioniert - in seinem eigenen Interesse: Leger wird bald eine Wohnung beziehen in Stuttgart, aber jeden Freitagabend will er auf Gleis 16 einen Zug erwischen: den ICE nach München.