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Autoindustrie:VW und Daimler stoppen die Produktion in Europa

Autohersteller reagieren auf den drohenden Wirtschaftsabschwung. US-Regierung will Schecks an die Bürger verschicken.

Von Caspar Busse und Claus Hulverscheidt

Die Corona-Krise erreicht die deutsche Industrie mit voller Wucht: Volkswagen, der größte Autohersteller Europas, und der Daimler-Konzern kündigten einen abrupten Produktionsstopp in den meisten deutschen und europäischen Werken an. Die Standorte würden zunächst für zwei bis drei Wochen stillgelegt. VW-Chef Herbert Diess begründete die drastische Entscheidung mit der sich "deutlich verschlechterten Absatzlage und der sich abzeichnenden Unsicherheit bei der Teileversorgung unserer Werke". Auch die Konzerntochter Audi stellt die Fertigung an vielen Standorten ein. Bei VW endet die Produktion mit der Spätschicht am Donnerstag.

Ob die Werksschließung verlängert werde, hänge von der weiteren Entwicklung ab, teilte Daimler mit. Man wolle damit auch die Finanzkraft des Unternehmens sichern. Bei VW war der Produktionsstopp offenbar vor allem auf Druck der Arbeitnehmervertreter zustande gekommen, die sich um die Gesundheit der Mitarbeiter sorgen. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh sprach von einer "Zwei-Klassen-Gesellschaft": Während im Bürobereich bei VW Abstandsgebote wegen Corona gelten würden, arbeiteten die Kollegen an den Produktionsbändern weiter Schulter an Schulter. Neben VW und Daimler haben auch andere große Autobauer die Produktion stillgelegt, unter anderem Fiat Chrysler, Ford, Renault und Peugeot, zu dem Unternehmen gehört auch Opel. Daimler beschäftigt weltweit 300 000 Mitarbeiter, VW rund 670 000 Mitarbeiter, davon 275 000 in Deutschland, 60 000 alleine am Konzernsitz in Wolfsburg. Die Folgen der Produktionsunterbrechungen für die Mitarbeiter könnte VW unter anderem durch Kurzarbeit abfedern, die Modalitäten werden gerade geklärt. Hierzu hat die Bundesregierung gerade Erleichterungen beschlossen. Die Bundesagentur für Arbeit wird seither mit Vor-Anfragen von Firmen überrannt. "Es geht durch die Decke", sagte eine Sprecherin. Lufthansa gab bekannt, dass Kurzarbeit nicht nur für Flugbegleiter und Mitarbeiter am Boden, sondern auch für die Piloten geplant sei. Andere Airlines, etwa in den USA, entlassen Mitarbeiter.

Im Kampf gegen einen drohenden Wirtschaftsabschwung und gegen das Coronavirus setzt die US-Regierung auf ungewöhnliche Maßnahmen: Es sollen Schecks an die Bürgerinnen und Bürger des Landes verschickt werden, um die wirtschaftlichen Folgen der Krise abzumildern. Finanzminister Steven Mnuchin sagte bei einer Pressekonferenz mit Präsident Donald Trump, die Menschen benötigten Bargeld. "Der Präsident hat mich angewiesen, wir müssen das jetzt machen", betonte Mnuchin. "Und mit jetzt meine ich: in den nächsten zwei Wochen." Die Amerikaner hatten auch in den Rezessionen der Jahre 2001 und 2008 Schecks vom Staat erhalten, allerdings handelte es sich seinerzeit um Steuernachlässe oder -erstattungen. Sollte der Staat seinen Bürgern nun tatsächlich ohne jede Vorbedingung und unabhängig von der persönlichen Situation Geld senden, wäre das auch für die USA durchaus neu.

© SZ vom 18.03.2020
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