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Außenminister auf Reisen:"Zweifel, ob Westerwelle ministrabel ist"

Guido Westerwelle ist in Brasilien, der letzten Station seiner Südamerika-Reise. Wie immer dabei: Lebensgefährte Mronz, Geschäftsleute - und Vorwürfe aus Deutschland.

Es ist die letzte Station seiner knapp einwöchigen Südamerika-Reise: Nach Chile, Argentinien und Uruguay ist Außenminister Guido Westerwelle am Dienstagabend in Brasilien eingetroffen. Er wird in der Hauptstadt Brasília zunächst mit Industrieminister Miguel Jorge und anschließend mit Außenminister Celso Amorim zusammenkommen.

Stets an Westerwelles Seite: Sein Lebenspartner Michael Mronz - und Vorwürfe aus Deutschland. Mronz nutze Westerwelles Reisen für seinen Job als Event-Manager war einer. Der andere: Der FDP-Chef nehme mit Vorliebe Geschäftsleute mit auf Reisen, die zuvor für die Liberalen gespendet haben.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, hat diese Vorwürfe nun noch verschärft. "Ich habe große Zweifel, ob Westerwelle als Außenminister überhaupt ministrabel ist", sagte Oppermann der Rheinischen Post.

Es gelinge Westerwelle nicht, Staats- und Privatgeschäfte sauber zu trennen, kritisierte Oppermann. "Westerwelle beschädigt sein Amt, wenn jetzt vorzugsweise Geschäftsleute, die vor der Wahl für die FDP gespendet haben, den Außenminister auf Regierungsreisen begleiten und als Türöffner nutzen dürfen", so Oppermann.

Guido Westerwelle hatte solche Vorwürfe schon zuvor als unbegründet zurückgewiesen. Der Lebenspartner des Vizekanzler rechtfertigte sich nun in der Bild und verwies auf sein soziales Engagement.

"Wann immer ich es zeitlich schaffe, möchte ich Herrn Westerwelle auf seinen Reisen begleiten, um mich für Kinder sozial zu engagieren", sagte Mronz, der auch Vorstand der Aktion "Ein Herz für Kinder" ist.

Dass er auf eigene Kosten reise, verstehe sich dabei von selbst. "Gerade weil wir keine eigenen Kinder haben, möchte ich ein Herz für Kinder zeigen", so Mronz weiter.

Westerwelle hatte bereits zuvor erklärt, dass er sich freue, dass sich "Herr Mronz" die Zeit nehme, ihn zu begleiten, um sich in der Region über soziale Probleme zu informieren und dafür zu engagieren. "Das wollen und werden wir fortsetzen."

Ein wichtiger Punkt auf der letzten Station der Südamerikareise des Außenminister sollen Wirtschaftsthemen sein. Brasilien ist Deutschlands wichtigster Handelspartner in Lateinamerika. 1200 deutsche Unternehmen, die 250.000 Menschen beschäftigen und rund 10 Prozent zum industriellen Bruttoinlandsprodukt beitragen, sind dort aktiv.

Am Donnerstag wird Westerwelle in São Paulo eine Rede vor deutschen und brasilianischen Unternehmern halten. Außerdem steht der Besuch in einem Siemens-Werk auf dem Programm. Zum Abschluss seiner sechstägigen Reise fliegt Westerwelle am Freitag nach Rio de Janeiro, wo er sich über die anstehenden Sport-Großereignisse informiert. Brasilien richtet 2014 die Fußball- Weltmeisterschaft und 2016 die Olympischen Spiele in Rio aus.

Im Video: Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat am Dienstag ein argentinisches Werk des Autoherstellers Volkswagen besucht.

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© sueddeutsche.de/dpa/afp/woja/gba

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