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Attentat von Charleston:Rassistisches Manifest aufgetaucht - FBI ermittelt

Foto von Lastrhodesian.com, das vermutlich Dylann Roof zeigt

Eines der Fotos von "The Last Rhodesian". Es zeigt vermutlich Dylann Roof mit der Flagge der Konföderierten Staaten von Amerika.

(Foto: AFP)
  • Das FBI prüft eine Website mit rassistischem Inhalt.
  • Sie wird dem mutmaßlichen Attentäter von Charleston, Dylann Roof, zugerechnet.
  • Die Seite enthält Fotos und einen Text, in dem der Verfasser seine rassistischen Gedanken offenlegt.

Von Thomas Harloff

Er sei nicht in einem rassistischen Haushalt oder einer rassistischen Umgebung aufgewachsen. Aber er sei "aufgeweckt" worden und habe dann "immer tiefer recherchiert", bis er "das jüdische Problem und die anderen Dinge" gesehen habe, "denen unsere Rasse gegenübersteht". Nun könne er sagen, dass er "rassenbewusst" sei.

All das steht in einem fast 2500 Worte langen Text, der vermutlich von Dylann Roof verfasst wurde. Jenem 21-jährigen Mann, der mutmaßlich neun Menschen getötet hat. Neun Afroamerikaner, erschossen am Mittwoch in einer Kirche in Charleston, South Carolina. Eine Bluttat mit offensichtlich rassistischem Hintergrund.

Veröffentlicht wurde der Text auf einer Website namens "The Last Rhodesian". Sie wurde am 9. Februar 2015 registriert, womöglich auf den neunfachen Todesschützen von Charleston, ganz sicher ist das nicht. Sein Name taucht auf der Website nirgends auf.

Das FBI ermittelt

Es ist eine Seite, für die sich dem Guardian zufolge nun auch das FBI interessiert. Auch Dutzende Fotos sind dort zu sehen. Sie zeigen Dylann Roof posierend mit Waffen, eine amerikanische Flagge verbrennend, Gräber von Soldaten der Konföderierten Streitkräfte besuchend, die während des amerikanischen Bürgerkrieges gefallen sind.

Der Text dürfte die Ermittler besonders interessieren. Er zeigt auf, wie sich ein junger Mann zum Rassisten entwickelt. Welche Anlässe es gab. Wie er den Verlauf der amerikanischen Geschichte interpretiert. Wie er sich Gedanken über Schwarze ("Nigger sind dumm und gewalttätig"), Juden ("Das Problem ist, dass sie Weiße sind"), Lateinamerikaner ("Ein großes Problem für Amerika"), Asiaten ("Sie könnten Allierte der weißen Rasse sein") und Patriotismus im Allgemeinen ("Moderner amerikanischer Patriotismus ist ein absoluter Witz") macht. Wie er Stereotype entwirft und verstörende Schlussfolgerungen zieht. Wie er seine Tat ankündigt.

Banaler und ungewollt zynischer Schluss

"Ich habe keine Wahl. Ich wählte Charleston aus, weil es die am meisten historisch geprägte Stadt in meinem Bundesstaat ist und gleichzeitig den größten Anteil von Schwarzen zu Weißen im Land hat. Wir haben keine Skinheads, keinen wirklichen KKK (Ku-Klux-Klan; die Redaktion), niemanden, der mehr tut, als sich im Internet zu äußern. Jemand muss den Mut haben, es in die reale Welt zu bringen. Und ich schätze, das muss ich sein."

So verquer und unerträglich der Inhalt des Textes ist, so banal und ungewollt zynisch endet er. Der letzte Satz des mutmaßlichen Manifests von Dylann Roof lautet: "Bitte entschuldigt Tippfehler, ich hatte keine Zeit das zu überprüfen."

© SZ.de/mikö
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