Das Politische Buch:Weltgeschichte, pastellfarbig grundiert

Lesezeit: 2 min

Das Politische Buch: Ausschnitt Karte aus dem o.g. Buch: Die USA in der Welt (1990er bis 2000er Jahre)

Ausschnitt Karte aus dem o.g. Buch: Die USA in der Welt (1990er bis 2000er Jahre)

(Foto: "Atlas historique mondial"© Les Arenes, Paris, 2019. Verlag C.H. Beck)

Christian Grataloup zeigt auf beeindruckende Weise, wie Geschichte und Geografie global zusammenspielen. Ein Großwerk in 515 Karten.

Von Werner Hornung

Es könnte ein französisches Sprichwort sein: Wenn schon vorweg die Suppe schmeckt, dann freuen wir uns erst recht auf das Hauptgericht. So ist es bei diesem übersetzten Geschichtsatlas aus Frankreich, dessen informative Einleitung uns neugierig macht auf die weiteren Seiten. Ausgewählt und bearbeitet hat die fünfhundertfünfzehn Karten samt dazugehörigen Begleittexten der Geo-Historiker Christian Grataloup gemeinsam mit Kartografen der Zeitschrift L'Histoire (Paris).

"Die Geschichte der Welt" passt gut in das Programm von C. H. Beck; bekanntlich ja ein Verlag, in dem seit Langem wichtige historische Literatur erscheint. Nun liegt dieses chronologisch geordnete Nachschlagewerk vor, das alle Epochen und Erdteile erfasst, französisches Terrain teils sogar recht detailliert. Es besteht aus dreizehn Kapiteln; das erste handelt von der Frühgeschichte, und das letzte trägt den Titel "Die Welt seit 1989". Dazwischen befinden sich elf unterschiedlich ausführliche Abschnitte, die sich aber in der Gestaltung alle gleichen. Es gibt stets eine oder mehrere Karten, pastellfarbig grundiert und markiert mit Symbolen, Kreisen, Linien oder Pfeilen. Außerdem ergänzen erklärende Notizen, Hinweise auf thematisch ähnliche Geschichtskarten und teilweise Zeitleisten die Atlasseiten.

Innovatives Kartenmaterial

Was Christian Grataloup hier präsentiert, ist auf beeindruckende Weise das globale Zusammenspiel von Geschichte und Geografie. Ganz gleich ob er den Verlauf der Pest im späten Mittelalter auf einer Doppelseite erklärt, das kolonialisierte Afrika oder den Sechstagekrieg im Nahen Osten (1967) erläutert, es ist immer ein anschaulich gefertigter Rückblick. Wobei einige Kartenblätter besonders gefallen, weil sie so in anderen Geschichtsatlanten nicht zu finden sind - etwa zum türkischen Völkermord an den Armeniern (1915/1916), zum stalinistischen Lagersystem Gulag oder zu "Mauern ab 1900", also zur Abschottung von Grenzen.

Das Politische Buch: Christian Grataloup: Die Geschichte der Welt. Ein Atlas. Aus dem Französischen von Martin Bayer, Katja Hald, Anja Lerz, Reiner Pfleiderer und Albrecht Schreiber. Verlag C. H. Beck, München 2022. 640 Seiten, 39,95 Euro.

Christian Grataloup: Die Geschichte der Welt. Ein Atlas. Aus dem Französischen von Martin Bayer, Katja Hald, Anja Lerz, Reiner Pfleiderer und Albrecht Schreiber. Verlag C. H. Beck, München 2022. 640 Seiten, 39,95 Euro.

(Foto: C.H. Beck)

Pardon, natürlich entdeckt man bei der umfangreichen Lektüre auch hie und da kleinere Mängel: Das Konzentrationslager Buchenwald beispielsweise ist fehlerhaft nördlich von Prag verortet; bei der Kennzeichnung von katholischen und protestantischen Gebieten in Franken wurden die in der Legende angegebenen Farben verwechselt; in der Toskana sind Florenz und Siena falsch markiert; und Katyn, wo 1940 Tausende polnische Offiziere von Sowjets ermordet wurden, müsste korrekt als russischer Ort genannt werden.

Das alles mag ein Haar in der Suppe sein, doch bei so viel kartografischen Details und Jahreszahlen sind dies für uns nur Petitessen in einem formidablen Geschichtsatlas.

Werner Hornung bespricht seit mehr als fünfzig Jahren politische Bücher und kartografische Literatur.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusEuropa im 20. Jahrhundert
:Stempel der Geschichte

Kann ein einzelner Mensch das Schicksal seines Landes bestimmen? Ian Kershaw hat sich zwölf "Geschichtsmacher" vorgenommen.

Lesen Sie mehr zum Thema