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Flucht nach Europa:Es gibt keine Betten, nicht einmal für Kinder oder alte Menschen

Im Hafen von Piräus kann man besichtigen, wozu es führt, wenn Europa keinen gemeinsamen Weg aus der Flüchtlingskrise findet. Griechenland, nach bald sechs Jahren Schuldenkrise ausgezehrt, kollabiert als erstes Land. Im Moment sollen sich gerade 22 000 Flüchtlinge im ganzen Land aufhalten - jene, die in Bussen durchs Land irren, schon eingerechnet. Gemessen an Deutschland, das ein Vielfaches an Verzweifelten aufgenommen hat, mag die Zahl klein erscheinen. Man muss aber nur einmal einen Blick in die Wartehalle für Fährgäste am Terminal E 7 werfen. Dort riecht es nach Turnhalle, aber nicht nach Sport, sondern nach Qual. Es gibt keine Betten, nicht einmal für die Kinder oder die Alten. Sitzbänke aus Metall werden zu Pritschen zusammengeschoben. Aber die meisten schlafen auf dem Boden. Pavlina Roncheva putzt hier, die dunkelblonde Mähne mit einem Haargummi gebändigt. Aber was heißt hier: putzen. Sie wischt um die Gestrandeten herum, erschöpfte Körper, unter Decken versteckt. "Schauen Sie selbst", sagt sie. "Mir fehlen die Worte."

Also geht die Frage an Timos Chaliamalias von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen: Hat Griechenland die Lage überhaupt noch unter Kontrolle? "Das werden wir in den nächsten Tagen sehen." Im Moment verschlechtere sich die Situation von Tag für Tag. 50 000 Plätze zur Registrierung und Unterbringung wollte Griechenland eigentlich geschaffen haben. Jetzt zeigt sich, dass das Land schon mit 25 000 Hilfesuchenden restlos überfordert ist.

Mouzalas gibt Deutschland eine direkte Schuld an der Lage

Am Sonntag meldet sich Migrationsminister Yannis Mouzalas im Morgenfernsehen zu Wort. Man kann sagen, dass er die Lage nicht beschönigt hat. Bei den EU-Partnern bitte sein Land um Nothilfe. Die Zahl der Flüchtlinge könnte auf bis zu 70 000 steigen bis Ende März. Wer jetzt morgens um 1.30 Uhr auf den Athener Victoria-Platz schaut, und Gestrandete Körper an Körper unter freiem Himmel schlafen sieht, mag sich das lieber nicht vorstellen: Dreimal so viele Flüchtlinge im Land.

Premier Alexis Tsipras hat sich unlängst bei Kanzlerin Merkel darüber beschwert, dass Österreich und die Balkanländer Grenzen schließen. Er sieht in ihr eine Verbündete. Nach diesem Wochenende bekommt auch dieses Verhältnis einen Knacks. Mouzalas gibt Deutschland eine direkte Schuld an der Lage. Hätten die Länder Mitteleuropas sie nicht eingeladen, "mit Bällen, Luftballons und Blumen", würden die Flüchtlinge nicht kommen, sagt er.

Flüchtlinge Behörden können mehr als 130 000 Asylsuchende nicht mehr auffinden
Flüchtlingspolitik

Behörden können mehr als 130 000 Asylsuchende nicht mehr auffinden

Die Zahl zeigt, wie schwer es deutschen Behörden fällt, Ordnung in die Registrierung und Verteilung von Flüchtlingen zu bekommen.   Von Roland Preuß

In der orthodoxen Kirche Agia Triada, einem Prachtbau mitten in Piräus, geht der Gottesdienst zu Ende. Pater Daniel hat über Sünde gesprochen und darüber, dass eine Institution zu zerbrechen droht. Aber er meint nicht das Drama, das sich um die Flüchtlinge abspielt, noch die zerstrittene Europäische Union. Ihm geht es in der Predigt um Seitensprünge, um Sex, um die Ehe. Auf den Stufen vor der Kirche betteln syrische Kinder.