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Armenier und Kirche:Die erste christliche Nation der Weltgeschichte

ARMENIA-ARARAT

Legendärer Berg: der erloschene Vulkan Ararat an der Grenze zwischen Armenien und der Türkei

(Foto: AFP)

Glaube und Staatlichkeit sind heute in Armenien eng miteinander verbunden - bedingt durch die lange Geschichte, aber auch durch den Genozid im Ersten Weltkrieg.

Mit mehr als 1.700 Jahren Tradition als Staatsreligion ist Armenien die erste christliche Nation in der Geschichte. Im Jahr 301 ließ der armenische König Trdat III. sich und seine Untertanen taufen. Die armenische Kirche zählt wie die Kopten und Äthiopier, die syrische Kirche und die indischen Thomas-Christen zu den sogenannten altorientalischen Kirchen.

Diese sind sowohl von Rom als auch von den orthodoxen Kirchen getrennt, weil sie die Lehre des Konzils von Chalcedon (451) von den zwei Naturen Christi nicht akzeptierten. Da das Land damals im Krieg mit den Persern stand, konnten die Armenier nicht am Konzil teilnehmen - was sich nach wie vor auswirkt.

Die Kirche wurde zu einem Eckpfeiler armenischen Bewusstseins, als Armenien unter aufeinanderfolgenden Territorialherrschaften aufgeteilt wurde. Traditioneller Hauptsitz der Kirche ist Etschmiadsin in der Republik Armenien, die 1991 aus der Sowjetrepublik Armenien hervorging. Armenien ist, auch wegen seiner Konflikte mit den islamischen Nachbarn, wirtschaftlich geschwächt und auch politisch krisenanfällig.

Glaube und Nation - eng miteinander verbunden

Seit dem Ende der kommunistischen Herrschaft hat die armenisch-apostolische Kirche die Stellung einer Quasi-Staatskirche zurückerhalten. In Armenien sind Kirche und Nation eng miteinander verbunden, da die Kirche über Jahrhunderte der Bedrohung und Verfolgung den Zusammenhalt des Volkes garantierte.

Der in Etschmiadzin, dem "armenischen Vatikan", residierende Patriarch trägt den Titel Katholikos. Zudem gibt es eine mit Rom verbundene (unierte) armenisch-katholische Kirche, die den Gottesdienst nach dem armenischen Ritus feiert. Ihr Oberhaupt residiert im Kloster Bzommar im Libanon.

Von den heute rund 2,5 Millionen in der Republik lebenden Armeniern und den rund sechs Millionen Auslands-Armeniern gehört die überwiegende Mehrheit der armenischen Kirche an. Finanziell ist die armenische Kirche vom Geld aus der Diaspora, insbesondere den USA, abhängig. Allerdings gibt es auch armenische Minderheiten in Georgien, im Iran und nach wie vor in der Türkei - trotz der Geschehnisse im Ersten Weltkrieg.

Damals, in den letzten Jahren des Osmanischen Reiches, kam es zum Genozid an Armeniern. Nach dem ab 1915 zwischen 600 000 und 1,5 Millionen Armenier zu Tode. Der Die Überlebenden flüchteten zumeist in die USA, nach Frankreich oder Argentinien. In der Türkei hat man den Massenmord auch mehr als 100 Jahre später noch nicht aufgearbeitet.

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