Eingreiftruppe im Jemen-Konflikt Arabische Einheit, ein ferner Traum

Araber gegen Araber: Huthi-Rebellen demonstrieren im Jemen gegen die von Saudi-Arabien angeführte Militärintervention in dem Land.

(Foto: AFP)

Vor dem Hintergrund des Jemen-Konflikts beschließt die Arabische Liga eine eigene Eingreiftruppe. Das weckt Hoffnungen, doch die Differenzen unter den Staaten sind groß.

Kommentar von Paul-Anton Krüger, Lausanne

Die Vereinigten Staaten von Arabien sind ein alter, unerfüllter Traum. Ägyptens Präsident Gamal Abdel Nasser war einer der glühenden Verfechter dieses Traums. Unter dem Banner des panarabischen Nationalismus wollte er in den Fünfzigerjahren aus dem Sprach- und Kulturraum zwischen Atlantik und Golf eine politische Einheit schmieden. Sein Land führte er in eine Union mit Syrien, der sich später der Norden Jemens anschloss.

Die Erinnerung daran ist verblasst. Interne Rivalitäten, gegensätzliche Interessen und Interventionen der Europäer und Amerikaner setzten den hochfliegenden Ideen ein schnelles Ende. Die Arabische Liga fristete lange ein Dasein, das mehr geprägt war von politischer Lähmung und Zwist zwischen den 22 Mitgliedern als von Anstrengungen, der immer zahlreicheren Krisen in der Region Herr zu werden.

Dieser Tage wird die Einheit der Araber neu beschworen. Die Region scheint ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen zu wollen. Zumindest suggeriert das die von Saudi-Arabien geführte arabisch-sunnitische Ad-hoc-Koalition, die in Jemen Krieg führt - und auch die Gipfelerklärung der Arabischen Liga. Die Staatschefs beauftragten ihre Generalstäbe, mit Planungen für eine Eingreiftruppe von 40 000 Mann zu beginnen, um sich gegen Bedrohungen der regionalen Sicherheit zu wappnen.

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi, der sich gerne als Nassers Erbe präsentiert und Ägypten wieder zu vergangener Größe führen will, sprach als Gastgeber von einer Bedrohung für die "Identität der Region", die den Arabern keine Wahl lasse, als ihre Kräfte zu bündeln. Gemeint war zum einen das Erstarken der schiitischen Vormacht Iran, zum anderen die Herausforderung durch die militanten Islamisten al-Qaidas und des Islamischen Staats - nach Sisis Lesart aber auch der Muslimbrüder.

Keiner weiß, wie sich Jemen dauerhaft befrieden lässt

Der alte Panarabismus wollte sich von den Kolonialherren emanzipieren. Das neue Selbstbewusstsein der Araber ist nicht zuletzt eine Reaktion darauf, dass die USA sich etwas aus ihrer langjährigen Rolle als Ordnungsmacht der Region zurückziehen.

Saudi-Arabien und die anderen sunnitischen Ölmonarchien fürchten, dass Washington einen Atomdeal mit Teheran schließt, der zu ihren Lasten geht. Sie sind bis heute mehr als irritiert, wie Präsident Obama im Arabischen Frühling alte Verbündete über Nacht fallen ließ, dann aber vor einer Intervention gegen Syriens Diktator Baschar al-Assad zurückscheute.

In dem Maß, in dem der Fracking-Boom Amerikas Abhängigkeit von arabischem Öl verringert, verlieren unverbrüchlich geglaubte Allianzen an Bedeutung. Die USA drängen die Golfstaaten seit Langem, mehr Verantwortung für ihre Sicherheit zu übernehmen - teures Kriegsgerät dafür liefern sie gern weiter. Offen ist aber die Frage, ob die arabischen Staaten in der Lage sein werden, eine regionale Sicherheitsarchitektur zu entwickeln, die darauf ausgerichtet ist, Krisen vorzubeugen und friedlich zu lösen.

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Die Intervention in Jemen ist nicht angetan, große Hoffnungen zu wecken. Sie ist eher eine Panikreaktion der Saudis, die verhindern mussten, dass die schiitische Huthi-Miliz den von Riad unterstützten, international anerkannten Präsidenten zu Fall bringt. König Salman schwört sein Land auf einen langen Krieg ein. Doch wie er Jemen dauerhaft befrieden will, hat er noch nicht erklärt. Ägyptens Präsident Sisi forciert die Eingreiftruppe mit der Erwartung, dass sie im benachbarten Libyen ihre Feuertaufe bestehen soll. Das sehen andere Staaten, etwa Algerien, mit großer Skepsis.

Sie findet Ausdruck in der Formel, dass sich die Liga "im Prinzip" auf die Truppe geeinigt hat. So bleibt der Eindruck, dass es den sunnitischen Regionalmächten in erster Linie darum geht, ihren Führungsanspruch zu legitimieren - und die Einheit Arabiens ein ferner Traum bleiben wird.