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Stellvertreterkrieg im Jemen:Unglückliches Arabien

Shi'ite Muslim rebels hold up their weapons during a rally against air strikes in Sanaa

Schiitische Rebellen in Jemens Hauptstadt Sanaa.

(Foto: REUTERS)

Der Machtkampf zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran reißt mit dem Jemen noch ein Land in den Abgrund. Am Ende werden davon die Terrorgruppen al-Qaida und IS profitieren.

Jemen gehört zu jenen Ländern, von denen in Europa kaum einer etwas wissen will. Der südarabische Staat gilt als Heimat der Kat-Kauer, die den ganzen Tag an den Blättern einer aufputschenden Pflanze knabbern und darüber das Arbeiten vergessen.

Von Wohlmeinenderen wird die Königin von Saba erwähnt, eine arabische Schönheit, die angeblich beim jüdischen König Salomon vorsprach. Und dann die jemenitischen Lehmhochhäuser, Architektur-Kleinode in den Handy-Speichern weit gereister Individualtraveller oder Studiosus-Bildungsbürger. Letztere werden das Wort von Felix Arabia fallen lassen, dem glücklichen Araberland, das zur Römerzeit mit Zimt, Myrrhe und Weihrauch einen die damalige Welt umspannenden Handel betrieb. Davon abgesehen bleibt Jemen das unwichtige Ende der Welt.

Der Kampf zwischen Riad und Teheran erfasst ein weiteres Land

Dabei gibt es gewichtigere Gründe als Gewürze, Essenzen und die Königin von Saba, Interesse zu zeigen. Jemen wird gerade zum Schlachtfeld. Und zwar zu einem, das den Nahen Osten des 21. Jahrhunderts prägen könnte und Europa interessieren muss. Es ist ein Schlachtfeld, auf dem die Staaten der Region das Sagen haben und nicht mehr die USA und ihre europäischen Verbündeten. Ein Blutacker also, auf dem sich ungehindert von jeder kritischen Öffentlichkeit oder dem Damoklesschwert demokratischer Wahlen jahrelange Abnutzungskriege abzeichnen, mit Fluchtwellen und allem, was dazu gehört. Vorerst einziger Nutznießer dürften die sein, deren Erfolg alle anderen fürchten müssen, sei es im Westen oder im Nahen Osten: al-Qaida und die Miliz Islamischer Staat.

Jemen, das Spielfeld fremder Mächte

Aber der Reihe nach. In Jemen mischen sich die Nachbarstaaten militärisch in einem Land ein, das mit dem Arabischen Frühling von 2011 destabilisiert wurde und seitdem in den Bürgerkrieg abgleitet. Jemen ist mit seinen politischen, ethnischen und religiösen Verwerfungen fast schon vorbestimmt als Spielfeld fremder Mächte.

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Jahrzehntelang war Saudi-Arabien Vormacht am Golf. Nun fürchtet das Königreich einen aufstrebenden Iran. Das militärische Eingreifen im Jemen ist nur der Beginn eines Machtkampfs in der Region.   Von Paul-Anton Krüger

Eine von Saudi-Arabien geführte arabische Allianz hat sich nun mit Luftangriffen auf die Seite einer de facto gestürzten Regierung geschlagen, die von einer aufständischen Miliz im Handstreich erst aus der Hauptstadt vertrieben und nun ins Arabische Meer getrieben zu werden droht.