Ankündigung der Anwälte Auch Ralf Wohlleben will jetzt im NSU-Prozess reden

Der Angeklagte Ralf Wohlleben will sich nun selbst im NSU-Prozess äußern.

(Foto: dpa)
  • Nach Beate Zschäpe will nun auch der im NSU-Prozess angeklagte Ralf Wohlleben sein Schweigen brechen.
  • Das geben seine drei Anwälte im Internet bekannt.
  • Wohlleben wolle sich gegen "dreiste Lügen einiger Zeugen und zweier Mitangeklagter" wehren.
Von Annette Ramelsberger

In den NSU-Prozess kommt Bewegung. Nach 247 Prozesstagen wollen plötzlich immer mehr Angeklagte reden. Nach der Ankündigung von Beate Zschäpe, ihr Schweigen zu brechen, kündigt nun auch der Angeklagte Ralf Wohlleben an, eine Aussage zu machen. Unter der Überschrift "Der Wahrheit eine Gasse" erklärten seine drei Anwälte am Sonntag, sie hätten ihrem Mandanten - ganz unabhängig von der Entscheidung Zschäpes - geraten, vor Gericht zu reden und seine Sicht der Dinge darzustellen. Er werde von zwei Angeklagten belastet, "um ihre eigene Rolle herunterzuspielen". Damit meinen die Anwälte offenbar die zwei Angeklagten Carsten S. und Holger G., die ausführlich oder zumindest in Umrissen ausgesagt und Wohlleben als Helfer des NSU dargestellt haben.

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"Unser Mandant muss deswegen einige Dinge klarstellen, um den dreisten Lügen einiger Zeugen und zweier Mitangeklagter über seine Person seine Sicht der Geschehnisse entgegen zu stellen", erklärten Nicole Schneiders, Olaf Klemke und Wolfram Nahrath. Wohlleben werde - im Gegensatz zu Zschäpe - selbst aussagen und auch Fragen aller Prozessbeteiligter beantworten. Zschäpe hingegen will nur die Fragen von Gericht und Bundesanwaltschaft beantworten. Einschränkend erklärten die Verteidiger von Wohlleben, sie würden jedoch Fragen beanstanden, "die nur der Befriedigung von Szene-Voyerismus dienen".

Wohlleben bleibt seinen rechten Überzeugungen treu

Sehr deutlich machen die Verteidiger, die selbst als rechte Szeneanwälte gelten, dass Wohlleben sich nicht von der rechten Szene abgekehrt habe. "Herr Wohlleben ist seinen Idealen und politischen Überzeugungen treu geblieben und wird dies auch in Zukunft bleiben." Seine Aussage ändere daran nichts, sie sei lediglich "ein Akt der Notwehr gegen Lügen und Unterstellungen". Er werde dieses Strafverfahren nicht als politische Schaubühne missbrauchen. Dies ist ein Seitenhieb auf die Vertreter der Nebenkläger, die immer wieder versuchen, Licht in den braunen Sumpf rund um den NSU zu bringen. Dies nennt Wohlleben-Verteidiger Klemke gerne Szene-Voyeurismus.

Wohlleben ist seit November 2011 in Untersuchungshaft. Ihm wird vorgeworfen, den NSU unterstützt und die Waffe für neun der zehn Morde besorgt zu haben. Das gilt als Beihilfe zum Mord. Wohlleben war früher Funktionär der NPD und jahrelang in der Kameradschaft Jena aktiv. Den Antrag seiner Anwälte, ihn aus der Untersuchungshaft zu entlassen, hat das Gericht bereits zweimal abgelehnt, auch der Bundesgerichtshof hat das bestätigt.

Nur eine einziger Angeklagter schweigt noch: Andre E., der dem NSU-Trio freundschaftlich verbunden ist und einige Wohnmobile angemietet hatte, mit denen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe dann Morde und Banküberfälle verübt haben sollen.

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