Anhörung zu Kavanaugh:"Ich dachte, Brett würde mich versehentlich umbringen"

Christine Blasey Ford at the Senate Judiciary Committee on Capitol Hill in Washington

Christine Blasey Ford spricht vor dem Justizausschuss des Senats.

(Foto: REUTERS)
  • Dem Supreme-Court-Kandidaten Kavanaugh wird versuchte Vergewaltigung vorgeworfen.
  • Deshalb hört der Justizausschuss des US-Senats ihn und sein mutmaßliches Opfer Ford an.
  • Die Professorin schildert verstörende Details des mutmaßlichen Übergriffs. Sie betont, sie könne Kavanaugh auf keinen Fall verwechselt haben.

In einer historischen Anhörung vor dem Justizausschuss des US-Senats wiederholt Christine Blasey Ford ihre Vorwürfe gegen den Supreme-Court-Kandidaten Brett Kavanaugh.

Die Psychologie-Professorin Ford sagt, Kavanaugh habe auf einer Schülerparty im Jahr 1982 versucht, sie zu vergewaltigen. Inzwischen werfen ihm zwei weitere Frauen Übergriffe vor. Kavanaugh hat die Vorwürfe bisher zurückgewiesen. Der Richter soll den vakanten Sitz im Obersten US-Gericht übernehmen und würde eine konservative Mehrheit dort zementieren.

In ihrer Stellungnahme vor dem Ausschuss sagte Ford, sie werde die Einzelheiten aus der Nacht des Übergriffs nie vergessen. "Sie haben sich in mein Gedächtnis eingebrannt und suchen mich noch als Erwachsene gelegentlich heim." Sie beschrieb die verstörenden Details der mutmaßlichen versuchten Vergewaltigung. "Ich glaubte, er würde mich gleich vergewaltigen", sagte Ford, die sich nach eigenen Angaben loskämpfen konnte. Sie fügte an: "Ich dachte, Brett würde mich versehentlich umbringen."

Sie habe Symptome von Posttraumatischer Belastungsstörung, sagte Ford bei der Befragung durch Demokraten. Auf die Frage hin, ob sie Kavanaugh damals mit einem anderen Schüler verwechselt haben könnte, antwortete Ford: "absolut nicht". Sie sei hundertprozentig sicher, dass es sich um ihn gehandelt habe. Sie wird im Detail auch zu ihrer Beschreibung des Abends und der Umgebung befragt. Sie entschuldigte sich mehrmals dafür, dass sie nicht alle Fakten im Kopf behalten habe. Sie sei "definitiv im Kampf-oder-Flucht-Modus" gewesen, weshalb sie manche Details schärfer erinnere als andere.

"Das ist kein Gerichtsprozess für Dr. Ford"

Als Ford von Kavanaughs möglicher Kandidatur hörte, habe sie es für ihre Bürgerpflicht gehalten, die Öffentlichkeit wegen "Kavanaughs Verhalten" zu warnen. "Es ist meine Pflicht, die Wahrheit zu sagen", so Ford. Sie habe das Präsidialamt und die Washington Post kontaktiert. Seitdem die Zeitung über ihre Geschichte berichtete, habe sie zwar viel Zuspruch bekommen, aber auch "konstante Belästigung und Todesdrohungen" gegen sie und ihre Familie.

Auch mit der demokratischen Senatorin Dianne Feinstein hatte sie Kontakt. Feinstein rechtfertigte bei der Anhörung, dass sie einen Brief von Ford vertraulich behandelt hatte, bis Ford bereit gewesen sei, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. "Das ist kein Gerichtsprozess für Dr. Ford. Es ist ein Bewerbungsgespräch für Richter Kavanaugh", betonte Feinstein.

Die Anhörung in Washington war landesweit mit großer Spannung erwartet worden. Vor den Kongresswahlen Anfang November ist die Personalie Gegenstand einer erbitterten Auseinandersetzung zwischen Trumps Republikanern und den oppositionellen Demokraten geworden. Für diesen Freitag ist eine Abstimmung im Justizausschuss über eine Empfehlung Kavanaughs angesetzt. Danach muss der US-Senat über die Berufung des 53-Jährigen an das höchste US-Gericht abstimmen.

Trump verteidigte Kavanaugh am Vorabend der Anhörung zwar nochmals. Angesichts der zunehmenden Missbrauchsvorwürfe schloss der US-Präsident eine Abkehr von der Nominierung des umstrittenen Richters aber nicht generell aus. Trump hatte Kavanaugh im Juli für den hochrangigen Richterposten vorgeschlagen. Kurz vor der geplanten Entscheidung des US-Senats über die Personalie waren Fords Vorwürfe gegen Kavanaugh an die Öffentlichkeit gekommen.

Ford betonte, sie verfolge keine politische Agenda und werde von niemandem gelenkt. "Ich bin ein eigenständiger Mensch und keine Schachfigur."

Der Justizausschuss befragt Christine Blasey Ford und Brett Kavanaugh öffentlich. Sie werden jeweils eine Stunde lang angehört. Die Republikaner lassen die Staatsanwältin Rachel Mitchell die Befragung vornehmen, während bei den Demokraten die Senatoren selbst die Fragen stellen.

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