Amoklauf in München Rechtspopulisten blamieren sich mit München-Kommentaren

Der Tatort: der McDonald's am Olympia-Einkaufszentrum in München

(Foto: dpa)
  • Einige Politiker haben die Ereignisse in München für Spekulationen und Wahlkampf genutzt.
  • Vor allem rechtspopulistische Politiker brachten die Schüsse schnell in Verbindung mit Flüchtlingen und dem Islam. Nun ist klar: Das war falsch.
Von Jan Schmidbauer

München war an diesem Freitagabend eine Stadt in Angst. Auch an Orten, an denen am Ende nichts passiert war, fürchteten Menschen um ihr Leben. Verständlicherweise. Denn immer wieder kursierten Falschmeldungen. Oft waren es bloß Spekulationen, die einem dennoch Angst einjagen konnten. Besonders abstoßend ist es, wenn die Angst, die Ungewissheit, politisch ausgeschlachtet wird.

Wer in dieser Nacht Twitter verfolgte, stolperte dabei unweigerlich auf die Einschätzungen von selbsternannten Experten, die mal wieder schneller waren als der Rest der Welt. Bei Politikern, allen voran rechtspopulistischen, folgte auf die Eilmeldung in kurzem Abstand die Schnappatmung. Sie wussten schneller als der Rest der Welt, was im Münchner Olympia-Einkaufszentrum passiert ist: Terror, Islamismus, irgendwas mit Flüchtlingen.

Doch sie irrten sich. Beim Täter handelte es sich um einen Amokläufer. Die Polizei teilte mit: Der Täter hat keinen Bezug zur islamistischen Terrormiliz IS.

Amoklauf in München Was über den Schützen bekannt ist
Mutmaßlicher Täter von München

Was über den Schützen bekannt ist

Der 18-jährige David S., der neun Menschen und dann sich selbst erschossen hat, war ein Schüler mit möglichen Depressionen - in sozialen Medien finden sich Spuren, dass die Tat länger geplant wurde und er mögliche Opfer wohl perfide anlocken wollte.

Gut 15 Stunden vorher schickte AfD-Politiker André Poggenburg schon einen Satz in die Welt. Der AfD-Chef in Sachsen-Anhalt twitterte: "Merkel-Einheitspartei: danke für den Terror in Deutschland und Europa!" Unter dem Kommentar fabulierte er weiter über "islamischen Terror". Für ihn war die Sache klar: Merkels Flüchtlingspolitik ist schuld an den Toten in München.

Inzwischen sollte auch Poggenburg wissen, dass er sich mit seiner Äußerung ziemlich blamiert hat. Auf Twitter entschuldigt hat er sich bisher nicht. Er legte am Samstagmittag noch nach: "AfD weist seit langem auf Sicherheitslage in Deutschland + EU hin: Politikversagen; Linksradikale hetzen und drohen lieber gegen Mut-zur-Wahrheit"

Parteiintern musste der AfD-Politiker ebenfalls eine Niederlage einstecken. Denn der Bundespressesprecher seiner Partei war noch schneller mit einer voreiligen Bewertung der Münchner Ereignisse. Er nutzte schon um 21:06 die Gelegenheit, die Schießerei politisch auszuschlachten. Während in München Menschen um ihr Leben fürchteten, machte Lüth mit den Ereignissen Wahlkampf. Er schrieb: "AfD wählen! Schüsse am Olympia Einkaufszentrum: Tote in München - Polizei spricht von akuter Terrorlage." Inzwischen hat er den Tweet gelöscht.