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Frauen an der Macht:Afrikas Politikerinnen drängen an die Spitze

Immer mehr Politikerinnen in Afrika durchbrechen die gläserne Decke.

Auch die afrikanische Politik leidet unter Frauenmangel. Seit einigen Jahren aber tut sich etwas: Eine neue Generation ist auf dem Vormarsch.

Frauen an der Spitze sind weltweit die Ausnahme, besonders in der Politik. Wenn Staatsoberhäupter zusammenkommen, zeigen die Fotos immer noch Reihen aus dunklen Anzügen, selten blitzt ein Kostüm oder ein Kleid dazwischen hervor. Auch die afrikanische Politik leidet unter Frauenmangel: Nur fünf der mehr als 50 Staaten des Kontinents hatten in ihrer postkolonialen Geschichte ein weibliches Staatsoberhaupt. In Afrikas Kabinetten und Parlamenten spielten Frauen jahrzehntelang eine untergeordnete Rolle; bis heute sind sie in der Politik fast in jedem Land in der Minderheit.

Die Umbrüche der Neunziger schufen neue Freiräume für junge Afrikaner - vor allem für Frauen

Doch seit einiger Zeit wird eine neue Generation von Politikerinnen sichtbar, die die gläserne Decke durchbrochen haben. Allein das Jahr 2018 konnte mit mehreren Sensationen aufwarten: In Mali nahm erstmals ein Kabinett seine Arbeit auf, das zu einem Drittel aus Frauen besteht. Der prominenteste Neuzugang: Außenministerin Camissa Kamara, 35. Ruanda hat in diesem Jahr seinen eigenen Weltrekord gebrochen und den Frauenanteil im Parlament von 64 auf 68 Prozent gesteigert. In Äthiopien präsentierte der neue Premierminister Abiy Ahmed ein paritätisch besetztes Kabinett: 10 von 20 Ministern sind weiblich. Ruanda folgte dem äthiopischen Beispiel in derselben Woche. Kurz darauf wählte das äthiopische Parlament Sahle-Work Zewde zur ersten Präsidentin des Landes.

Gleichberechtigung

Das sind Afrikas wichtigste Politikerinnen

Sahle-Work ist derzeit das einzige weibliche Staatsoberhaupt in Afrika. In Malawi und in der Zentralafrikanischen Republik gab es Übergangspräsidentinnen, auf die aber 2014 und 2016 wieder Männer folgten. Ellen Johnson Sirleaf aus Liberia, die erste Präsidentin des Kontinents, durfte 2017 nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten. Und Ameenah Gurib-Fakim trat im März 2018 als erste Präsidentin des afrikanischen Inselstaates Mauritius zurück.

Regierungschefs wie der äthiopische Premier betonen, dass Frauen ihre Regierungen effizienter und weniger anfällig für Korruption machen würden. Empirisch lassen sich solche Thesen tatsächlich belegen. Laut einem Bericht des US-amerikanischen Thinktanks Council on Foreign Relations hat die politische Teilhabe von Frauen einen positiven Einfluss auf Post-Konflikt-Staaten. Mit mehr Frauen in der Regierung verlängert sich demnach die Friedensdauer; die Wahrscheinlichkeit, dass der Staat wieder in einen Bürgerkrieg zurückfällt, sinkt. Die Forscher erklären diesen Zusammenhang damit, dass das Vertrauen der Bevölkerung in demokratische Institutionen wächst, wenn die gesamte Bevölkerung, also auch Frauen, in der Regierung abgebildet wird.

Doch warum bewegt sich gerade im vergangenen Jahrzehnt so viel auf Afrikas politischer Bühne? Experten führen den Geschlechterwandel vor allem auf die politischen Umbrüche in den Neunzigerjahren zurück. Damals wurden fast alle afrikanischen Staaten von einer Welle der Demokratisierung erfasst. Der Generationenwechsel in der Politik schuf neue Räume für junge Afrikaner und insbesondere Frauen. So konnten die Parlamente ihre Frauenanteile erhöhen, inzwischen ziehen auch die Kabinette nach.

Forscher haben zudem festgestellt, dass es Frauen nützt, wenn nicht nur Abgeordnete, sondern auch außerparlamentarische Fachleute für Ministerposten infrage kommen. Kompetente Frauen müssen bei dieser Form der Rekrutierung nicht so viele Hürden überwinden und landen schneller im Kabinett - wie etwa Malis junge Außenministerin. Voraussetzung dafür sind allerdings fortschrittlich denkende Staatenlenker wie der 41-jährige Äthiopier Abiy Ahmed, für die es eine Selbstverständlichkeit ist, dass auch Frauen die Politik prägen sollten. Dass sie es können, zeigen die Porträts afrikanischer Politikerinnen in dieser Bildergalerie.

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