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Afghanistan:Taliban dringen ins Zentrum von Kundus vor

Sicherheitskräfte in Kundus kontrollieren Autos am Tag eines erneuten Angriffs der Taliban.

(Foto: AFP)
  • Die radikalislamischen Taliban versuchen, ihre Macht in Afghanistan wieder auszudehnen.
  • Sie starten eine Offensive auf die Provinzhauptstadt Kundus. Die Gefechte dauern an.
  • Diese Woche startet eine internationale Geberkonferenz für Afghanistan in Brüssel.

Die radikalislamischen Taliban haben einen schweren Angriff auf die Hauptstadt der nordafghanischen Provinz Kundus begonnen und liefern sich Kämpfe mit den Sicherheitskräften. Die Attacke begann am frühen Morgen an vier Orten gleichzeitig. Mittlerweile sollen sie ins Zentrum der Stadt vorgedrungen sein. Das bestätigte Provinzratsmitglied Saied Assadullah Sadat. Auf beiden Seiten habe es Opfer gegeben. Die Taliban nutzen offenbar Wohnhäuser als Unterschlupf. "Sie haben den Hauptplatz noch nicht eingenommen, aber sie sind nahe dran", sagte Sadat. "Wenn die Regierung nicht schnell agiert, fällt die Stadt heute Nacht." Ebenfalls am Montag töteten Taliban in der südlichen Provinz Helmand einen örtlichen Polizeichef.

Die Angriffe kommen fast genau ein Jahr nachdem die Taliban Kundus zum ersten Mal erobert hatten. Ende September und Anfang Oktober 2015 hatten sie die Stadt fast zwei Wochen lang in ihrer Gewalt - es war der erste große territoriale Gewinn der Islamisten seit Beginn der internationalen Intervention im Jahr 2001 und ein Schock für die afghanische Regierung.

Die Provinzhauptstadt Kundus ist seit Monaten von Aufständischen umzingelt. Die Taliban halten Gegenden in fast allen der sechs Bezirke der Provinz. In Kundus war bis Ende 2013 auch die Bundeswehr stationiert. Seit März berät wieder eine kleine Gruppe deutscher Soldaten die afghanische Armee, um einen erneuten Fall der Provinz zu verhindern.

Hoffen auf Geldzusagen in Brüssel

Diese Woche beginnt die 11. internationale Geberkonferenz für Afghanistan in Brüssel. Die Frage, wie den Menschen im Land geholfen werden kann, während die Gewalt zunimmt, steht auf der Agenda. Staatschef Aschraf Ghani hofft auf Geldzusagen der internationalen Gemeinschaft bis 2020, um das kriegszerstörte Land wiederaufzubauen.

Die Taliban hatten von 1996 bis 2001 in weiten Teilen von Afghanistan geherrscht. Durch die US-geführte Invasion 2001 wurden sie gestürzt. Seitdem kämpfen die Extremisten, um wieder zu Macht und Einfluss zu kommen. Ihre Anschläge und Attacken haben sich seit Abzug der Nato-Schutztruppe Ende 2014 verstärkt.

© SZ.de/dpa/afp/lalse/lkr
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