Afghanistan:Mindestens 43 Tote bei Anschlag auf Moschee in Kundus

View of a mosque after a blast, in Kunduz

Attentat in der Moschee: Der Ausschnitt aus einem Video zeigt die Zerstörung.

(Foto: Stringer/Reuters)

Einem Bericht zufolge bekennt sich die Terrormiliz IS zu der Tat. In den vergangenen Tagen war es immer wieder zu Selbstmordattentaten in Afghanistan gekommen.

Bei einem Anschlag auf eine Moschee in der Stadt Kundus im Norden Afghanistans sind mindestens 43 Menschen getötet worden. Mindestens 143 Menschen seien verletzt worden, teilte die staatliche afghanische Nachrichtenagentur Bachtar mit. Der Anschlag erfolgte während des Freitagsgebets im nördlichen Kundus, wie der britische Sender BBC berichtet. Inzwischen bekannte sich demnach die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zum Anschlag. Zuvor hatte der Sprecher der militant-islamistischen Taliban auf Twitter mitgeteilt, bei der Explosion seien "mehrere Menschen getötet und verletzt" worden. Spezialkräfte der Taliban seien vor Ort und eine Untersuchung des Vorfalls habe begonnen.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) brachte mehrere Tote und Verletztes in ein von ihr betriebenes Krankenhaus, teilte ein Sprecher der Organisation mit. Weitere Opfer seien in einem nahe gelegenen regionalen Krankenhaus aufgenommen worden. Auf in sozialen Medien geteilten Videos sind Dutzende Tote und Verletzte zu sehen. Auf einem weiteren Video ist zu sehen, wie Männer und Frauen nach der mutmaßlichen Explosion eine Straße hinunterlaufen und schreien. Die Schiiten bilden eine Minderheit im Land. In Kundus war während des Afghanistan-Krieges die Bundeswehr stationiert.

In den vergangenen Tagen hatte es wieder verstärkt Selbstmordattentate in Afghanistan gegeben. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte mehrfach schiitische Ziele angegriffen. Allerdings kam es zu den Angriffen des IS vor allem in der Hauptstadt Kabul und den östlichen Provinzen Nangarhar und Kunar.

Zuletzt hatte der IS unter anderem einen verheerenden Anschlag Ende August am Flughafen Kabul während der noch laufenden internationalen militärischen Evakuierungsmission mit nach Medienberichten fast 200 Toten für sich reklamiert. Am Sonntag wurden bei der Trauerfeier für die Mutter eines hochrangigen Taliban-Funktionärs in der Nähe von Kabul mehrere Menschen getötet. Die Taliban-Regierung attackierte daraufhin mutmaßliche IS-Kämpfer.

Dem Afghanistan-Experten Thomas Ruttig von der Denkfabrik Afghanistan Analysts Network zufolge bedeuten die Anschläge des IS nicht, dass die Gruppe stärker geworden ist. Nach dem Verlust seiner Basen in Ostafghanistan in den Jahren 2019 und 2020 lebten aber offenbar Überreste im Untergrund fort, die zu solchen Anschlägen fähig seien. Die Taliban sind mit dem IS verfeindet und haben diesen seit dessen Auftauchen in Afghanistan Anfang 2015 bekämpft. IS-Anschläge zeigen laut Ruttig, dass - wie bereits die Vorgängerregierung - auch die Taliban nicht in der Lage seien, von Rivalen ausgeübten Terrorismus völlig zu unterbinden.

© SZ/KNA/dpa/Reuters/ghe
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