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Afghanistan:16 Tote bei Taliban-Angriff in der Provinz Kundus

Afghanischer Soldat

Ein Mitglied der afghanischen Sicherheitskräfte steht vor einem Kontrollpunkt nahe der Stadt Kundus.

(Foto: Ajmal Kakar via www.imago-images.de/imago images/Xinhua)

Trotz Friedensgesprächen greifen die militanten Islamisten weiterhin regierungstreue Sicherheitskräfte an.

Die militant-islamistischen Taliban in Afghanistan setzen ihre Angriffe auf regierungstreue Sicherheitskräfte fort: Bei einem nächtlichen Angriff auf einen Kontrollposten in der umkämpften Nordprovinz Kundus wurden mindestens 16 Mitglieder einer Miliz der Amaniyat, der Nationalen Sicherheitsdirektion (NDS), getötet. Zwei weitere wurden verletzt. Das berichtet der afghanische Sender Tolo unter Berufung auf ein Mitglied des lokalen Provinzrates. Die NDS ist der Inlandsgeheim- und Sicherheitsdienst Afghanistans.

Wie die dpa berichtet, hatte die Miliz den Posten mehrere Stunden verteidigt, bevor er von den Taliban überrannt wurde. Waffen und Munition seien geplündert worden.

Der Angriff gehört vermutlich zur Strategie der Taliban, ihre Macht zu demonstrieren, um Druck auf die Beteiligten am Friedensprozess im Land auszuüben.

Die neue US-Regierung unter Präsident Joe Biden hat bereits erklärt, dass sie das Friedensabkommen zwischen den USA und den Taliban vom Februar 2020 überprüfen wolle. Erst am Donnerstag haben sich der US-Sondergesandte für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, und der neue US-Außenminister Antony Blinken getroffen, um darüber zu sprechen.

Die Regierung von Bidens Vorgänger Donald Trump hatte ein Abkommen mit den Taliban unterzeichnet, das einen schrittweisen Abzug der Truppen bis Ende April 2021 vorsieht. Im Gegenzug verpflichteten sich die Taliban unter anderem zur Aufnahme von Friedensgesprächen mit Afghanistans Regierung. Anstatt aber - wie vereinbart - die Gewalt tatsächlich zu reduzieren, erhöhen die Taliban diese in jüngster Zeit.

Ende Januar wurden im Osten Afghanistans mindestens 14 Soldaten durch eine Autobombe getötet. Vier weitere wurden bei einem Anschlag in der Provinz Nangarhar verletzt. Auch erschüttert eine Welle gezielter Tötungen von Aktivisten und Journalisten das Land.

Seit dem Abkommen haben die Islamisten keine internationalen Soldaten mehr getötet, obwohl sie diese als Besatzungsmacht betrachten. Experten befürchten, dass der Konflikt aber weiter eskalieren könnte, sollten die US-Streitkräfte über das Datum des geplanten Truppenabzugs im Land bleiben.

© SZ/dpa/mcs/aner/cat
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