Affäre um US-Geheimdienst:NSA streitet über Amnestie für Snowden

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Innerhalb des US-Geheimdienstes NSA werden Stimmen laut, Edward Snowden Straffreiheit zu gewähren. Schließlich sei bislang nur "ein Bruchteil" der Geheimnisse verraten. NSA-Chef Alexander reagiert und vergleicht Snowden mit einem Geiselnehmer.

Von Matthias Kolb

Rick Ledgett übt für seinen Arbeitgeber eine wichtige Tätigkeit aus. Ledgett arbeitet für den US-Nachrichtendienst NSA und leitet jene Gruppe von internen Ermittlern, die sich mit dem Fall Edward Snowden beschäftigt. Noch immer vergeht kaum eine Woche, in der nicht neue Details über die Datensammelwut und die Spähaktivitäten der National Security Agency bekannt werden und immer mehr Verbündete Amerikas verärgert reagieren - Stichwort Merkel-Handy.

In einem Interview mit dem US-Sender CBS sprach sich Ledgett nun dafür aus, dem IT-Spezialisten und EX-NSA-Mitarbeiter Snowden Amnestie zu gewähren. Er sei offen für ein solches Gespräch, sagte er in der Sendung "60 Minutes":

"So, my personal view is, yes, it's worth having a conversation about. I would need assurances that the remainder of the data could be secured, and my bar for those assurances would be very high. It would be more than just an assertion on his part."

Im Gegenzug müsste Snowden, der zurzeit ein einjähriges Aufenthaltsrecht in Russland besitzt, jedoch die Veröffentlichung weiterer Geheimdienstdokumente stoppen. Der 30-Jährige hatte wiederholt seine Bereitschaft erklärt, in seine Heimat zurückzukehren, wenn ihm Straffreiheit gewährt würde und die Anklagen wegen Landesverrats zurückgenommen würden.

Laut CBS News geht die NSA davon aus, dass bisher nur "ein Bruchteil" von Snowdens Informationen publik geworden ist - und der Imageschaden weiter wachsen könne. Die NSA glaubt demnach, dass Snowden etwa 1,5 Millionen Geheimdokumente in seinem Besitz haben könnte. Der New York Times zufolge rechnen viele Geheimdienstler und Regierungsmitglieder damit, nicht nachvollziehen zu können, welche Informationen Snowden heruntergeladen hat - und was er noch enthüllen könnte.

Im Politmagazin "60 Minutes" sprach sich NSA-Chef Keith Alexander daraufhin wie bereits mehrfach in der Vergangenheit gegen eine Amnestie für Snowden aus. In der Sendung verglich er den Whistleblower mit einem Geiselnehmer. Es sei nicht möglich, dass dieser "50 Menschen in seine Gewalt bringt, zehn niederschießt und dann sagt: 'Ihr gebt mir volle Straffreiheit und ich lasse die anderen 40 gehen'". Allerdings sind die Tage, in denen Alexander über die Geschicke der NSA entscheidet, gezählt: Er wird im Frühjahr 2014 zurücktreten.

Einmal in Fahrt, äußerte Alexander den Verdacht, deutsche Geheimdienste könnten den Amerikanern gefährlich werden. Wie Patrick Bahners, der New Yorker Kulturkorrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, in einem Artikel schildert, schloss Alexander nicht aus, dass auch Bundeskanzlerin Merkel das Telefon von US-Präsident Barack Obamas hat anzapfen lassen:

"Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass sie große Geheimdienstkapazitäten haben und dass sie im Ausland Informationen sammeln - genau wie wir."

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