AfD-Parteitag Meuthen fordert "patriotische Politik" - Verletzte bei Anti-AfD-Protesten

  • AfD-Chef Jörg Meuthen ruft die Delegierten beim Parteitag in Hannover zu einer Neuwahl des Vorstands "ohne Kampfgeschrei" auf.
  • Die Veranstaltung hat mit Verspätung begonnen, nachdem Demonstranten die Zufahrt zum Kongresszentrum am Morgen mit Sitzblockaden versperrt hatten.
  • Die Polizei ging daraufhin mit Wasserwerfern gegen die AfD-Gegner vor. Mehrere Beamte und mindestens ein Demonstrant wurden bei den Protesten verletzt.

Zum Auftakt des AfD-Bundesparteitags in Hannover hat Jörg Meuthen die Delegierten zu einer "patriotischen Politik für Deutschland" aufgerufen. "Wir sind die einzigen in diesem Land, die das tun", sagte der Parteichef. Meuthen warf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in seiner Eröffnungsrede "politisches Zentralversagen" vor. Nach dem Einzug der AfD in den Bundestag als drittstärkste Kraft gehe es der Partei jetzt "nicht um die Futtertöpfe, sondern um unser Land".

Der Parteitag begann mit Verspätung, weil AfD-Gegner die Zufahrt zum Veranstaltungsort mit Sitzblockaden versperrt hatten. Die Polizei, die das Kongresszentrum mit einem Großaufgebot sichert, ging daraufhin bei 0,8 Grad Außentemperatur mit Wasserwerfern gegen die Demonstranten vor. Mehrere Beamte und mindestens ein Demonstrant wurden bei den Protesten verletzt. Der Demonstrant, der sich mit einem anderen an einer Metallpyramide festgekettet hatte, brach sich nach Polizeiangaben ein Bein und kam ins Krankenhaus.

Etwa 100 AfD-Gegner waren am frühen Morgen zunächst friedlich durch die Stadt gezogen. Erst im weiteren Verlauf der Gegenveranstaltung, die auf mehrere hundert Teilnehmer angewachsen war, gab es vereinzelte Ausschreitungen. Auf Twitter forderten die Beamten die Demonstranten auf, friedlich zu bleiben.

Am Nachmittag schlossen sich 6000 AfD-Gegner einem Demonstrationszug vom Tagungsort in Richtung Stadtzentrum an. Ihre Kundgebung steht unter dem Motto "Unser Hannover - bunt und solidarisch! - Protest gegen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus".

Der wichtigste Tagesordnungspunkt für die 600 Deligierten der AfD ist die Neuwahl des Parteivorstandes. Seit dem Austritt von Frauke Petry leitet Jörg Meuthen die Partei alleine. Doch auch der Vorsitzende des Berliner Landesverbandes, Georg Pazderski, will für die Spitzenposition kandidieren. Die Neuwahl des Vorstandes solle "ohne Kampfgeschrei" ablaufen, mahnte Meuthen. Seit 2015 sei die AfD erwachsener und klüger geworden. Damals wurde der damalige Parteichef Bernd Lucke gestürzt; er verließ wenig später die AfD.

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