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AfD:AfD-Vorstand stellt sich offenbar hinter Gauland - und damit gegen Parteichefin Petry

  • Die Kritik von Parteichefin Frauke Petry an Gauland sei nicht gut angekommen, wie die Nachrichtenagentur Reuters aus Parteikreisen erfahren hat.
  • Gauland selbst räumte in einer Rundmail an alle Parteimitglieder ein, der Satz über Boateng könnte so wie in der FAS abgedruckt gefallen sein.
  • Die sächsische AfD-Landtagsabgeordnete Andrea Kersten wirft Nationalspieler Mesut Özil vor, vor Länderspielen die Nationalhymne nicht mitzusingen.

Die Spitze der rechtspopulistischen AfD hat sich im Streit nach abfälligen Äußerungen über den deutschen Fußball-Nationalspieler Jérôme Boateng hinter den stellvertretenden Vorsitzenden Alexander Gauland gestellt. Die Kritik von Parteichefin Frauke Petry sei nicht gut angekommen, wie die Nachrichtenagentur Reuters nach einer Debatte im Bundesvorstand aus Parteikreisen erfahren hat.

Petry hatte demonstrativ getwittert, Boateng sei ein "Klasse-Fußballer" und zu Recht Teil der Nationalmannschaft. Sie reagierte damit auf ein Interview Gaulands, in dem er über den dunkelhäutigen Boateng gesagt hatte, als Spieler werde er für gut befunden, aber als Nachbarn wolle man ihn nicht haben. Bezogen auf Streitigkeiten über den Wortlaut der Äußerungen zog Petry das Erinnerungsvermögen Gaulands in Zweifel und entschuldigte sich im Sender n-tv bei Boateng "für den Eindruck, der bereits entstanden ist".

Gauland selbst entschuldigte sich in einer Mail an alle Parteimitglieder

Ob Gaulands Äußerungen nun ein Fehler gewesen seien oder nicht, man hätte ihn nicht öffentlich kritisieren sollen, hieß es in den Parteikreisen. Petry sei mit ihrer Meinung im Bundesvorstand isoliert gewesen. Gauland selbst räumte in einer Rundmail an alle Parteimitglieder ein, der Satz über Boateng könnte in der in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung abgedruckten Form gefallen sein. Das Gespräch mit zwei Redakteuren sei allerdings vertraulich gewesen.

"Ich bedauere, dass der Partei objektiv durch den Bruch aller Regeln ein Schaden entstanden ist und kann mich nur bemühen, diesen Schaden durch Nachfolgegespräche möglichst klein zu halten", schreibt Gauland in der E-Mail. Die FAS-Redakteure betonen, keine etwaigen Absprachen gebrochen zu haben.

AfD-Abgeordnete greift Nationalspieler Özil an

Zu einem zweiten Fall, in dem ein Mitglied der deutschen Fußball-Nationalmannschaft mit ausländischen Wurzeln durch AfD-Politiker marginalisiert wird, wollte Petry am Dienstag nicht Stellung nehmen. Die sächsische Landtagsabgeordnete Andrea Kersten hatte in einer Stellungnahme vom Sonntag den muslimischen Nationalspieler Mesut Özil wegen eines im Internet geposteten Foto von seiner Pilgerreise nach Mekka angegriffen.

Dies sei ein "falsches, weil antipatriotisches Signal", schrieb Kersten. Den Islam bezeichnete sie als Ideologie, in der es unter anderem keine Gleichberechtigung gebe und in der Homosexuelle mit dem Tode bedroht würden. Sie warf Özil zudem vor, vor Länderspielen die Nationalhymne nicht mitzusingen.

© SZ.de/Reuters/dayk/lkr

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