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Abhörskandal in Großbritannien:Cameron gesteht ein - und teilt aus

Auftritt des britischen Premierministers vor dem Unterhaus: David Cameron erklärt, dass er "rückblickend" den früheren "News of the World"-Chefredakteur Coulson nicht mehr engagieren würde. Dass er mit Murdoch-Leuten über das BSkyB-Angebot gesprochen habe, leugnet er nicht. Doch die Gespräche seien angemessen gewesen. Auch der Opposition wirft er Fehler vor.

Am Dienstag mussten die Murdochs in einem historischen Auftritt den britischen Parlamentariern Rede und Antwort stehen. An diesem Mittwoch hat in dem Skandal, der sich im Kern auch um das politische Systems Großbritanniens dreht, auch der britische Premier Stellung bezogen. David Cameron verkürzte dafür extra seine Afrika-Reise und bat die Parlamentarier um eine Verlängerung der Sitzungsperiode. Die Vorwürfe gegen Cameron im Einzelnen:

[] Zu große Nähe zum Murdoch-Konzern: Insgesamt soll sich Cameron in nur 15 Monaten Amtszeit 27 Mal mit Vertretern von News Corp getroffen haben. Am Dienstag war bekanntgeworden, dass die Murdoch-Vertraute Brooks zu Gast bei Camerons 44. Geburtstag im vergangenen Oktober war.

[] Heimlichtuerei um die Kontakte zu den Murdoch-Vertretern: Murdoch räumte bei seiner Anhörung ein, dass er bei Besuchen am Regierungssitz Downing Street 10 häufiger durch die Hintertür hereingelassen worden sei. Auch Brooks' Geburstagseinladung hatte Camerons Büro zunächst verschweigen wollen.

[] Die Rolle von Camerons früherem Kommunikationsberater Andy Coulson im Abhörskandal: Coulson war von 2003 bis 2007 Chefredakteur des Skandalblatts "News of the World", 2007 gab er seinen Posten freiwillig auf, nachdem Gerüchte über Abhöraktionen laut wurden. Cameron stellte Coulson trotz wiederholter Warnungen als Medienberater ein, als er noch Oppositionschef war. Nach seinem Wahlsieg 2010 machte er ihn zum Kommunikationschef. Im Januar 2011 stellte Coulson sein Amt zur Verfügung, im Juli nahm ihn die Londoner Polizei im Zuge der Ermittlungen fest.

Camerons wichtigste Argumente in der Sondersitzung des britischen Unterhauses: Im Nachhinein bedauere er es, Andy Coulson als Kommunikationschef engagiert zu haben. Allerdings gelte auch für Coulson die Unschuldsvermutung. Die Treffen und die Gespräche mit den Murdoch-Vertretern seien angemessen gewesen.

© sueddeutsche.de/dpa/AFP/Reuters/hai/mati

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