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Abhör-Vorwurf von Donald Trump:Wieso sich Trump belagert und missverstanden fühlt

Die Journalisten Maggie Haberman und Robert Costa haben die besten Kontakte ins Trump-Lager und berichten übereinstimmend, wie unzufrieden der neue Präsident ist. Haberman schreibt in der NYT, dass Trump das Gefühl habe, das Weiße Haus befinde sich "im Belagerungszustand".

Es habe ihn zwar irritiert, dass Sessions so schlecht auf seine Aussage unter Eid vorbereitet war, doch Trumps Frust hat vor allem andere Gründe: In seinen Augen tut sein Team zu wenig, um die "Hexenjagd" gegen ihn und sein Team zu beenden. Bevor er nach Florida flog, habe sich der US-Präsident wütend bei Mitarbeitern des Weißen Hauses beschwert, dass die Vorwürfe gegen Sessions "Bullshit" seien und der Justizminister einen Fehler gemacht habe, indem er versprach, sich von Ermittlungen zum russischen Einfluss auf die US-Wahl fernzuhalten.

Der Russland-Komplex verschwindet nicht

Nichts spricht dafür, dass Trumps Ärger weniger wird: Nahezu täglich weitet sich der Russland-Komplex aus und es kommt zu neuen Fragen über die Kontakte und Gespräche des Trump-Teams mit russischen Diplomaten. Es ist gerade das permanente Abstreiten und Ausweichen, dass viele Demokraten und unabhängige Beobachter skeptisch macht: Trumps erster Sicherheitsberater Michael Flynn (mehr zu seinem Rücktritt) kam ebenso wie Sessions in Schwierigkeiten, weil er nicht von Beginn an transparent und ehrlich war.

US-Medien wie die Washington Post dokumentieren viele Widersprüche: Während Trump-Sprecherin Hope Hicks im Wahlkampf sowohl Russlands Einmischung auf die Wahl als auch jegliche Gespräche mit russischen Offiziellen leugnete, hatte Moskaus Vize-Außenminister Sergej Rjabkow nach Trumps Sieg erklärt: "Es gab Kontakte, wir kennen die meisten Leute aus seinem Umfeld." Dass das Weiße Haus nun bestätigen musste, dass auch Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn und Top-Berater, im Dezember den russischen Botschafter traf, wird die oppositionellen Demokraten nur ermuntern, Trump weiter vorzuwerfen, etwas zu verbergen.

Trump versteht das politische System nicht

Schon am Freitag hatte sich angedeutet, dass Trumps Ruf nach überparteilicher Zusammenarbeit und einem Ende der "trivialen Kämpfe" nicht wirklich ernst gemeint war. Seine mangelnde Selbstdisziplin zeigte sich da in Attacken auf die beiden mächtigsten Demokraten im Kongress: Trump forderte in Tweets Ermittlungen gegen die Abgeordnete Nancy Pelosi und Senator Chuck Schumer, weil diese auch "angeblich" enge Beziehungen zu Russland und Präsident Putin hätten.

Als Beleg postete er alte Fotos, die seit Tagen auf rechten Websites kursieren, um die Demokraten als verlogen darzustellen - dabei haben weder Schumer noch Pelosi das FBI belogen (wie Flynn) oder wie Sessions unter Eid eine Falschaussage gemacht. Diese Angriffe offenbaren aber, dass Trump noch immer nicht versteht, wie das politische System der USA funktioniert: Die Demokraten sind zwar in der Minderheit, doch sie können im Kongress viel verschleppen - und gerade im Senat brauchen Trump und die Republikaner mindestens acht Demokraten. Indem er Schumer und Pelosi auf diese Weise angreift, macht sich der neue Präsident das Leben unnötig schwer.

Am Samstag sollte Trump noch ein Briefing seines Nationalen Sicherheitsrats erhalten; anschließend war ein Abendessen mit Chefberater Bannon, Jeff Sessions und anderen Ministern geplant. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass sich der US-Präsident am Wochenende nochmals zu seinen jüngsten Attacken auf Obama äußert.

Dann wird sich zeigen, ob der US-Präsident zwischenzeitlich etwas Selbstdisziplin gefunden hat - oder ob ihn seine Berater dazu bringen konnten, sich wieder staatsmännischer zu geben. Der halbwegs gute Eindruck nach seiner Kongress-Rede ist auf alle Fälle wieder dahin.

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