1. Mai: Krawalle in Berlin Taktik der Polizei geht auf

Als dann gegen 20.30 Uhr, einige Zeit nach dem Ende der Demonstration, am Spreewaldplatz doch die ersten Steine fliegen, greifen die Polizisten blitzschnell durch. Wen sie beim Werfen filmen, verhaften sie.

Einige Teilnehmer des Neonazi-Aufmarschs: Rein äußerlich sind rechte und linke Demonstranten schwer zu unterscheiden.

(Foto: Foto: dpa)

Dabei kommt es in mindestens einem Fall zu einer hässlichen Szene: Auf Youtube ist ein Handyvideo zu sehen: Es zeigt, wie Dutzende linke Demonstranten vor Polizisten wegrennen. Ein in schwarz gekleideter Mann fällt auf den Boden, mehrere Beamten laufen an ihm vorbei, einer fällt fast über den jungen Mann. Dann ist auf dem Handyfilm zu sehen, wie ein Polizeibeamter mit dem Fuß ausholt und den Kopf des Demonstranten trifft. In Internet-Foren und via Twitter wird der Vorfall erhitzt diskutiert.

Kurz darauf eskaliert die Situation. In der Wiener Straße geht der Polizist schwer verletzt zu Boden, die Stimmung ist aufgeheizt.

Platzverweise und Verhaftungen

Die Beamten verteilen Platzverweise, verhaften jetzt einen Randalierer nach dem anderen. "Wie heißt du?", rufen die anderen Linken den verhafteten Genossen hinterher. Die ganze Nacht über sind die Hilfstelefone linker Anwälte frei geschaltet, die per Telefon auf dem Laufenden gehalten werden, aus der Ferne Rechtsberatung vornehmen. Doch wer von einer Polizeitruppe wie der BFE (Beweissicherung und Festnahme) abgeführt wird, kann seinen Namen nicht mehr zurück rufen. Zu hart sind die Griffe der Beamten.

In der Nacht brennen noch ein paar Mülleimer, immer wieder werden Beamte von Flaschen getroffen. In der Kottbusser Straße entsteht ab 21 Uhr für Stunden ein gigantisches Katz- und Mausspiel. Unter die politisierten Autonomen haben sich jetzt Kreuzberger und Neuköllner Krawallkinder gemischt, die sich immer wieder Scharmützel mit der Polizei liefern. Dazwischen feiern Hunderte Schaulustige.

Wasserwerfer nicht eingesetzt

"Berlin is absolutely fun", schreit ein amerikanischer Tourist in sein Handy. Ein jugendlicher Angeber läuft Polizisten hinterher, beschimpft sie als "Weicheier". Als sich zwei der Beamten nur umdrehen, nimmt er die Beine in die Hand.

Immer wieder grenzen die Polizisten Menschengruppen von einander ab. So vermeiden sie, dass sich die Autonomen sammeln können. An der Kreuzung, an der die Kottbusser Straße auf den Kottbusser Platz trifft, fahren gegen 22:30 Uhr drei Wasserwerfer auf. "Nur eine optische Sperre", sagt ein Polizeisprecher. Auf Deutsch: die Demonstranten denken, sie könnten nicht mehr auf den Platz drängen - und bleiben von anderen Gruppen separiert.

Während in der Kottbusser Straße gegen Mitternacht die letzten Flaschen fliegen, sitzen andere Demonstranten schon zuhause vor dem Rechner. Auf Twitter schreiben sie, der verletzte Polizist sei in den Rücken gestochen worden. Das sei aber falsch, er sei von einem stumpfen Gegenstand mit hoher Wucht getroffen, sagen die Sprecher der Polizei. Mittlerweile ginge es ihm "den Umständen entsprechend gut", erklärt ein Sprecher.

Für den heutigen Sonntagnachmittag ist eine Pressekonferenz angekündigt - dort werde man die genaue Zahl der Festnahmen sowie weitere Einzelheiten bekannt geben. Das Fazit der Polizei ist jedoch klar: Es war deutlich ruhiger als 2009 und man habe die Lage unter Kontrolle gehabt.