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Zum 80. von Terence Hill:Vom alten Schlag

Bud Spencer und Terence Hill bei den Dreharbeiten zum Film "Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle"

Mit seinem Gegenpart Bud Spencer kloppte und kalauerte sich Terence Hill in den 70er und 80er Jahren durch 20 Filme, wie hier in "Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle" von 1972

(Foto: imago stock&people)

Der smarte Haudrauf wurde als Partner von Bud Spencer berühmt. Doch nur wenige wissen über ihn, dass er als Mario Girotti geboren wurde, Deutsch mit sächsischem Akzent sprach und seine Frau Lori Zwicklbauer heißt.

Klonk! Schepper! Wack! Wenn Terence Hill einen Bösewicht ohrfeigt, macht das ein seltsames Geräusch. Es klingt, als würde er auf eine Blechdose hauen. Wenn Hills Kampf-Kumpan Bud Spencer zuschlägt, meistens mit seinen Fäusten auf den Kopf des Gegners (der gefürchtete Dampfhammer), klingt das wie eine große, schwere Glocke. Die Kampfszenen sehen brutal aus, doch bei den Opfern von Bud Spencer und Terence Hill fließt nie Blut, so wie bei Asterix und Obelix stehen sie unverletzt auf und trollen sich leise fluchend.

Wie Dick und Doof, Tom und Jerry oder Don Camillo und Peppone sind Terence Hill und Bud Spencer ohne den jeweiligen Gegenpart kaum denkbar. Die beiden drehten in den 70er- und 80er-Jahren 20 Filme zusammen, die Knaller-Titel wie "Vier Fäuste für ein Halleluja" oder "Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle" trugen. Die Geschichten gingen immer ungefähr so: Ein smarter Schönling und ein bärbeißiger Riese raufen sich zusammen, um irgendwelche Schurken zu verprügeln. Beim Kloppen klopfen sie derbe Sprüche (die übrigens nur durch die deutsche Übersetzung des Dialogregisseurs Rainer Brandt zustande kamen, das italienische Original ist weitgehend witzlos). Kostprobe: "Dir spitz' ich den Spargel an, bis man dich für'n Pfirsich hält!"

Terence Hill wird 80

Heute spielt Terence Hill in einer TV-Serie einen Oberförster aus den Dolomiten.

(Foto: dpa)

Das Prügel-Duo kalauerte sich durch absurde Drehbücher, man fragt sich rückblickend, was sich die Regisseure eingeworfen haben, um dermaßen über die Handlungsstränge zu schlagen. Durch die heutige Genderbrille betrachtet sind die Filme eine Vollkatastrophe, Frauen kommen nur als Deko-Objekte, kochende Muttis oder klischeeüberfrachtete Witzfiguren vor. Doch die brutal platten Spencer-Hill-Werke gehören zu den kommerziell erfolgreichsten Filmen der Siebzigerjahre, sie spielen in einer Liga mit "Star Wars" und "Der Weiße Hai". "Vier Fäuste für ein Halleluja" hatte elf Millionen Zuschauer in den deutschen Kinos.

Den meisten Fans war bewusst, dass Bud Spencer, der 2016 im Alter von 86 Jahren starb, eigentlich Carlo Pedersoli hieß und Italiener war - doch über den Migrationshintergrund von Terence Hill, der an diesem Freitag 80 wird, war lange wenig bekannt. Mario Girotti alias Terence Hill wurde 1939 in Venedig geboren, als Sohn einer Deutschen und eines Italieners. Seine ersten Lebensjahre bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs verbrachte er in Lommatzsch bei Dresden. Bei der Deutschlandpremiere von "Mein Name ist Somebody - Zwei Fäuste kehren zurück", Hills erstem Kinofilm seit zwei Jahrzehnten, wurde er 2018 in Dresden euphorisch gefeiert.

Mit ihrem Hab und Gut in einem Leiterwagen war die Familie Girotti nach dem Krieg zurück nach Italien geflohen. Italienisch lernte Mario erst in der Schule, er sprach Deutsch mit sächsischem Akzent. Als Zwölfjähriger wurde er von Regisseur Dino Risi beim Schwimmen entdeckt und für "Ferien unter Gangstern" verpflichtet (1951). Nach einem Mini-Auftritt in Luchino Viscontis "Gattopardo" und kleinen Rollen in deutschen Karl-May-Filmen begann 1967 seine große Zeit in den Italo-Western. Seit dieser Zeit ist er auch mit seiner Frau verheiratet, einer bayerischstämmigen Amerikanerin mit dem wunderbaren Namen Lori Zwicklbauer. Die beiden hatten sich bei den Dreharbeiten zu "Gott vergibt, Django nie!" kennengelernt, Zwicklbauer arbeitete als Dialogtrainerin. Die Exilbayerin brachte dem Italo-Sachsen bei, wie sich amerikanisches Englisch anhört.

Beim ersten Aufeinandertreffen mit Pedersoli, im Film "Die Katze, der Hund und die Füchse", gab es gleich auf die Nüsse. Die erste Szene, die das Duo zusammen drehte, war eine Schlägerei. "Wir haben überlegt, wie das aussehen könnte, als er mit der Idee kam, mir von oben eine zu pfeffern", erzählte Mario Girotti später, "dieser Schlag wurde dann zum Markenzeichen von Bud Spencer." Der legendäre Dampfhammer war geboren - und die Figur Terence Hill, der fröhliche Gegenpart zum grummeligen Giganten Bud Spencer. Ein Glücksfall für Girotti: "Terence Hill ist das Beste, was ich aus mir herausholen kann, so positiv und kreativ."

Diese Haltung hat er sich bis heute bewahrt. Er betreibt eine Eisdiele in Umbrien, tritt ab und zu in Talkshows auf und ist in Italien neuerdings wieder sehr populär, durch eine TV-Serie, die im Südtiroler Hochpustertal spielt. Der ehemalige Nonsens-Westernheld spielt Pietro, den Oberförster von Innichen. "Die Bergpolizei - ganz nah am Himmel" ist ganz nah am Kitsch und unendlich weit weg von der Realität. Aber was kann daran schon schlecht sein, wenn man die Dolomiten als Kulisse hat und Terence Hill in der Hauptrolle? Wer etwas anderes behauptet, bekommt eine Ohrfeige und eine Kopfnuss. Wack! Gong!

© SZ vom 29.03.2019/nas/aner
Eine Faust geht nach Westen OCCHIO ALLA PENNA IT 1980 Regie Michele Lupo BUD SPENCER AMIDOU

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