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Vor Gericht:Berufungsgericht verlängert Haftstrafe für Oscar Pistorius

  • Das höchste Berufungsgericht Südafrikas hat die Haftstrafe für den ehemaligen Sportler Oscar Pistorius erhöht.
  • Pistorius hatte 2013 seine damalige Freundin Reeva Steenkamp in seinem Haus erschossen.
  • Eine untere Instanz hatte sechs Jahre Haft verhängt - dagegen hat die Staatsanwaltschaft nun erfolgreich Einspruch eingelegt.

Mehr als doppelt so lange Gefängnis: Das oberste Berufsgericht Südafrikas hat die Strafe für den früheren Spitzensportler Oscar Pistorius erheblich verschärft. Er soll nun 13 Jahre und fünf Monate in Haft.

Pistorius, 31, hat in der Nacht auf den Valentinstag 2013 seine damalige Freundin Reeva Steenkamp durch die Toilettentür seiner Villa hindurch erschossen. Ob er dabei in Tötungsabsicht gehandelt hat oder aus Notwehr, weil er einen Einbrecher im Haus wähnte, war Gegenstand eines jahrelangen Justizdramas.

Der unterschenkelamputierte Sportler beteuerte stets, in jener Nacht in Panik gehandelt zu haben. Richterin Thokozile Masipa hatte Pistorius im Oktober 2014 lediglich wegen fahrlässiger Tötung zu nur fünf Jahren Haft verurteilt.

Eine Entscheidung, die damals Empörung ausgelöst hatte und von Beobachtern als Zeichen dafür gewertet wurde, dass wohlhabende Angehörige der weißen Minderheit vor Gericht besser behandelt würden als Schwarze.

Ein Jahr später wandelte ein Berufungsgericht das erste Urteil in "murder" um - ein Straftatbestand, der etwa dem deutschen Totschlag entspricht. Richterin Masipa musste deshalb ein neues Strafmaß festlegen. Doch sie blieb mit sechs Jahren erneut deutlich unter der gesetzlich festgelegten Mindeststrafe von 15 Jahren. "Er ist ein gefallener Held, er hat seine Karriere verloren, er ist finanziell ruiniert", sagte sie bei der Urteilsverkündung. Pistorius sei Ersttäter und habe Reue gezeigt, nun müsse er eine Chance haben, sich zu rehabilitieren.

Die Staatsanwaltschaft hatte diesen Urteilsspruch als "schockierend milde" bezeichnet und Berufung eingelegt. Pistorius habe seine Tat nie schlüssig erklären können und keine wirkliche Reue gezeigt, sagte die Staatsanwältin damals. Mit der jetzigen Entscheidung hat sie einen Erfolg errungen. Zwar blieb das Gericht auch dieses Mal unter 15 Jahren, berücksichtigte aber lediglich die von Pistorius schon abgesessene Haftzeit und keine weiteren mildernden Umstände.

Pistorius, der in einem Gefängnis in der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria einsitzt, war bei der Urteilsverkündung in Bloemfontein nicht anwesend. Sein Fall vom international gefeierten Athleten zum Todesschützen hatte weltweit Aufsehen erregt. Der Sprinter Pistorius hatte bei Paralympischen Spielen auf eigens angefertigten Karbon-Prothesen sechs Goldmedaillen gewonnen. In London startete er 2012 als erster beinamputierter Sportler der Geschichte bei den Olympischen Spielen.

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