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Hessen:Fahrer lenkte Wagen vorsätzlich in Rosenmontagszug

People react at the scene after a car ploughed into a carnival parade injuring several people in Volkmarsen

Die Szene kurz nachdem das Auto in die Menschenmenge fuhr.

(Foto: Elmar Schulten/Reuters)
  • Im nordhessischen Volkmarsen ist ein Autofahrer in einen Rosenmontagsumzug gerast.
  • Der Täter wurde festgenommen, zu seinen Motiven ist noch nichts bekannt. Die Ermittler gehen nicht von einem Unfall aus.
  • Inzwischen gibt es eine zweite Festnahme.

Im nordhessischen Volkmarsen nahe Kassel ist ein Autofahrer in einen Rosenmontagsumzug gerast und hat Dutzende Menschen verletzt, darunter viele Kinder. Frankfurts Polizeipräsident Gerhard Bereswill sprach von 30 Verletzten, sieben Menschen seien schwer verletzt worden. Tote habe es nicht gegeben, sagte ein Polizeisprecher.

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt wegen eines versuchten Tötungsdelikts. Der Täter stamme selbst aus Volksmarsen, wie der Sprecher der Behörde mitteilte. Zum Motiv könne man nichts sagen: "Wir ermitteln in alle Richtungen." Henning Hinn vom Polizeirevier Südwest im Polizeipräsidium Nordhessen sagte: "Wir gehen von einem vorsätzlichen Tatgeschehen aus." Nach dem Vorfall wurden alle anderen Fastnachtsumzüge in Hessen am Rosenmontag vorsichtshalber abgebrochen.

"Bald stehe ich in der Zeitung"

Der Mann wurde nach der Tat festgenommen. Er ist nach Informationen des hessischen Innenministeriums zurzeit nicht vernehmungsfähig. Nach ersten Erkenntnissen den Behörden sei er nicht als Extremist bekannt. Allerdings sei er der Polizei durch Beleidigung, Hausfriedensbruch und Nötigung aufgefallen. Im Verlauf des Montagabends gab es nach Angaben des Frankfurter Polizeipräsidenten Gerhard Bereswill eine zweite Festnahme. Es sei noch nicht klar, ob der Festgenommene als Tatverdächtiger gelte oder ein Zeuge sei.

Nach den bisherigen Erkenntnissen des hessischen Innenministeriums fuhr der Täter mit hoher Geschwindigkeit. Die lokale Waldeckische Landeszeitung berichtete, er sei einen im Landkreis Waldeck-Frankenberg zugelassenen Mercedes Kombi gefahren. Die Hessische/Niedersächsische Allgemeine berichtete, Zeugen hätten geschildert, dass der Fahrer die Absperrung umgangen habe und dann mit Vollgas auf die Menschenmenge zugerast sei. Die Zeugen hätten den Eindruck gehabt, dass der Fahrer es vor allem auf Kinder abgesehen hatte. Von der Polizei gab es dazu keine Angaben. Ein Zeuge berichtete laut Bild, erboste Menschen seien am Tatort mit erhobenen Fäusten auf den Fahrer zugelaufen, die Polizei habe ihn schützen müssen.

Medien- und Augenzeugenberichte, wonach der Tatverdächtige stark alkoholisiert war, konnten die Ermittler zunächst nicht bestätigen. Eine Nachbarin sagte zu RTL: "Ich habe ihn heute wegfahren sehen, er sah aus, als stünde er unter Drogen und sagte, 'bald stehe ich in der Zeitung'".

Bouffier "schockiert über diese schlimme Tat"

Die Polizei war nach dem Vorfall mit einem großen Aufgebot vor Ort. Die Behörden richteten ein Hinweisportal ein. Man appelliere an alle, die Bilder und Videos aus Volkmarsen haben, sich mit Spekulationen zurückzuhalten und keine dieser Aufnahmen zu verbreiten, twitterte die Polizei Nordhessen.

Volkmarsens parteiloser Bürgermeister Hartmut Linnekugel sagte: "Wir sind alle betroffen, alle tief geschockt." Im Rathaus sei ein Notlagezentrum mit Seelsorge und Polizeikräften eingerichtet worden, das bis Dienstag geöffnet bleibe. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sprach den Opfern sein Mitgefühl aus. "Ich bin schockiert über diese schlimme Tat, durch die viele unschuldige Menschen zum Teil schwer verletzt worden sind. Ich bin mit meinen Gedanken bei den Opfern und ihren Angehörigen und Freunden und wünsche allen eine schnelle und vollständige Genesung."

Volkmarsen ist eine Kleinstadt mit etwa 6800 Einwohnern und liegt rund 30 Kilometer von Kassel entfernt. Bereits am Sonntag hatte es nach Angaben der örtlichen Feuerwehr einen Zwischenfall bei einer Karnevalsveranstaltung in einer Halle in Volkmarsen gegeben: Wegen eines Feueralarms sei der Veranstaltungsort geräumt und der betroffene Bereich kontrolliert worden, berichtete die Feuerwehr auf Facebook. Der Grund für den Alarm sei nicht feststellbar gewesen, die Veranstaltung wurde nach einer kurzen Unterbrechung fortgesetzt. Ob es einen Zusammenhang zwischen den Vorfällen gibt, ist unklar.

© SZ.de/dpa/stein/aner
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