Vize-Chef der Colonia Dignidad Deutschland soll Folter-Arzt ausliefern

Während der Militärdiktatur soll Hartmut Hopp in der chilenischen Sekten-Kommune Colonia Dignidad gefoltert und Kinder missbraucht haben. Erst im Mai setzte sich der Arzt nach Deutschland ab. Jetzt fordert Chile seine Auslieferung - und legt Verbrechen gegen die Menschlichkeit nahe.

Die chilenische Justiz hat die Auslieferung des Arztes Hartmut Hopp aus Deutschland beantragt, der als Vizechef der berüchtigten Colonia Dignidad in Chile mitverantwortlich für Menschenrechtsverletzungen sein soll. Das Oberste Gericht des südamerikanischen Landes stellte am Dienstag einen entsprechenden Antrag.

Hartmut Hopp war der zweite Mann in der berüchtigten Colonia Dignidad. Jetzt fordert Chile von Deutschland die Auslieferung des Arztes.

(Foto: AP)

Hopp galt als rechte Hand des verstorbenen Leiters der sektenartig organisierten Colonia Dignidad ("Kolonie der Würde"), Paul Schäfer. Die chilenische Justiz wirft Hopp Kindesmissbrauch und Folter während der Militärdiktatur in Chile vor. In Deutschland hat die Staatsanwaltschaft Krefeld im August Ermittlungen gegen den Arzt aufgenommen, der sich im Mai aus Chile abgesetzt hatte.

Die Richter des Obersten Gerichtshofes in Santiago de Chile schrieben in ihrem Antrag, da es zwischen beiden Ländern kein Auslieferungsabkommen gebe, werde Deutschland gebeten, Hopp im Einklang mit der Konvention von Havanna auszuliefern. Diese gilt bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Paul Schäfer, früherer Leiter der Colonia und ehemaliger Nazi-Offizier, war nach jahrelanger Flucht 2005 in Argentinien gefasst und dann nach Chile überstellt worden. Dort wurde er 2006 wegen sexuellen Missbrauchs von etwa 20 Kindern in der Siedlung zu 20 Jahren Haft verurteilt. Er starb im vergangenen Jahr im Alter von 88 Jahren in einem Gefängniskrankenhaus. Er führte die Kolonie unter dem Einsatz von Psychoterror, Unterdrückung, Zwang zur Beichte und der Pflicht zum absoluten Gehorsam.

In der Colonia Dignidad sollen zwischen 1973 und 1990 politische Gefangene der Militärdiktatur Augusto Pinochets zu Tode gefoltert worden sein. Die Kolonie, die inzwischen Villa Baviera ("Bayerisches Dorf") heißt, diente darüber hinaus als Fluchtburg für Alt-Nazis.

Die menschenverachtende, sadistische Struktur der Kolonie blieb Für der Außenwelt bis zuletzt verborgen: Offiziell wurde Colonia Dignidad als landwirtschaftliches Vorzeigeprojekt präsentiert.