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Vermisster Junge auf Amrum:Fall Sebastian Thema bei "Aktenzeichen XY ... ungelöst"

Er trug ein blaues Fleece, Jeans und war barfuß unterwegs. Seit zwei Tagen wird auf der schleswig-holsteinischen Insel Amrum der zehnjährige Sebastian vermisst. Die intensive Suche nach dem Jungen war bislang erfolglos - doch die Einsatzkräfte wollen nichts unversucht lassen.

20 Quadratkilometer, 2000 Einwohner und irgendwo dazwischen möglicherweise ein zehnjähriger Junge. Seit Sonntag sucht die Polizei auf der schleswig-holsteinischen Nordseeinsel Amrum nach dem Urlauberkind Sebastian. Hubschrauber, Spürhunde und Seenotrettungskreuzer sind im Einsatz. Die Ermittler halten sowohl ein Unglück als auch ein Verbrechen für möglich. "Wir suchen jetzt gemeinsam mit der Feuerwehr aktiv weiter. Wir hoffen, dass wir das Kind lebend finden und das Ganze ein glückliches Ende nimmt", sagte Polizeisprecher Wolfgang Friedrichsen.

Zehnjähriger auf Amrum vermisst

Mit diesem Bild sucht die Polizei nach dem vermissten Sebastian. Das Shirt trug er zum Zeitpunkt seines Verschwindens am Sonntagnachmittag.

(Foto: Polizeidirektion Husum/dpa)

Bei der Suche nach dem Jungen wollen die Ermittler auch um die Mithilfe der Fernsehzuschauer bitten: Der Fall des Zehnjährigen aus Wien ist am Mittwoch Thema im ZDF-Format Aktenzeichen XY ... ungelöst (4. Juli, 20.15 Uhr), wie die Verantwortlichen der Sendung mitteilten.

Zwischenzeitlich verfolgten die Ermittler eine heiße Spur: Kurz vor seinem Verschwinden hatte Sebastian einen etwa gleichaltrigen Jungen kennengelernt. "Lukas hat sich bei uns gemeldet", sagte Polizeisprecherin Kristin Stielow am Dienstagnachmittag. Allerdings half seine Aussage zunächst nicht weiter, weil er sich früher als vermutet von Sebastian getrennt hatte. Lukas habe mit Sebastian bis zum Nachmittag gespielt und sei dann gegangen, erläuterte Stielow. Etwas später, etwa gegen 17 Uhr, habe Sebastian noch Kontakt zu seinen Eltern gehabt.

"Wir schließen nichts aus"

Der blonde Sebastian war am späten Sonntagnachmittag zuletzt im Bereich des Ortes Wittdün gesehen worden. Er hatte dort auf einem Spielplatz in Strandnähe gespielt, wo er den anderen Jungen kennenlernte. Das Gelände befindet sich Medienberichten zufolge nur einige hundert Meter von dem Ferienhaus entfernt, in dem Sebastian mit seinen Eltern und seiner Schwester Urlaub macht.

Die Bild-Zeitung zitiert Sebastians Mutter mit den Worten: "Mein Junge wurde Opfer einer Straftat." Aus Ermittlersicht der Polizei sind die Hintergründe zu Sebastians Verschwinden noch völlig unklar. "Wir schließen nichts aus", sagte Friedrichsen. Eine Straftat sei denkbar, aber auch ein Unglück. Vielleicht lief das Kind auch ins Wasser und kam nicht mehr an Land. "Bisher ist das alles Spekulation", betonte Friedrichsen. Zum Zeitpunkt von Sebastians Verschwindens herrschte den Angaben zufolge allerdings Niedrigwasser. "Außerdem konnte er gut schwimmen", sagte die Mutter des Jungen in Bild.

Suche auch auf Föhr

Die intensive Suche lief bis Montagabend zu Wasser, an Land und in der Luft. Drei Rettungseinheiten der Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (GZRS) waren im Einsatz. Man habe vor allem die sogenannten Kniepsandkanten abgesucht, sagte der GZRS-Sprecher, Christian Stipeldey. "Da gibt es viele Stellen, an denen es sehr steil ins Wasser geht." Die Polizei setzte außerdem Hubschrauber mit Wärmebildkameras und Spürhunde ein. Kein Strandabschnitt sei ausgelassen worden, sagte eine Polizeisprecherin. Auch die Ufer der Nachbarinsel Föhr und der Halligen wurden abgesucht.

Die Behörden veröffentlichten Bilder von Sebastian im Internet und baten die Bevölkerung um Mithilfe. "Wir hoffen, dass jeder Ausschau nach dem Jungen hält", sagte Sprecherin Kristin Stielow. "Wir können ja nicht ausschließen, dass er sich inzwischen auf dem Festland aufhält." Der Junge war den Angaben zufolge zuletzt mit einem blauen Langarmshirt aus Fleece und einer Jeans bekleidet und barfuß unterwegs. Eine Sprecherin der Freiwilligen Feuerwehr auf Amrum berichtete, dass die Einsatzkräfte auch viel Unterstützung aus der Bevölkerung erhielten: "Hier sind sehr viele Menschen, die etwas tun wollen und mitsuchen."