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"Vatileaks" bringt interne Dokumente ans Licht:Der Vatikan sucht seinen Maulwurf

Es klingt wie der Plot aus einem Roman von Dan Brown: Italienische Medien wollen interne Dokumente aus dem Vatikan erhalten haben, die auf ein Mordkomplott gegen den Papst hinweisen. In anderen Interna werden Vertraute von Benedikt XVI. gezielt diskreditiert. Wer steckt hinter den "Vatileaks"? Tobt ein Machtkampf im Kirchenstaat?

Von Wölfen, die den Papst umschleichen, ist derzeit in Rom die Rede, andere sehen schwarze Krähen über dem Vatikan kreisen. Der Papst soll 2009 während einer Messe auf dem Petersplatz eine Teufelsaustreibung vorgenommen haben. Und auch über ein Mordkomplott gegen Benedikt XVI. war dieser Tage in italienischen Zeitungen zu lesen.

Papstsprecher Padre Federico Lombardi hat das wie folgt bewertet: Als "so absurd und unseriös, dass ich es nicht einmal kommentieren will". Andere Vorgänge und Berichte findet man im Vatikan weniger lächerlich. Sie scheinen mit Maulwürfen zu tun zu haben. Denn ganz entgegen der sonst strikten Diskretion der Kurie und der päpstlichen Amtsstuben dringen in den vergangenen Wochen vertrauliche Papiere aus vatikanischen Ministerien an die Öffentlichkeit.

Entsprechend zog der Jesuit Lombardi die Parallele zu Wikileaks und nannte das Phänomen spöttisch "Vatileaks". Wie schon bei der Web-Plattform von Julian Assange, deren Veröffentlichung von Geheimdepeschen vor allem die US-Regierung blamierte, ist es weniger der Inhalt, der spannend ist. Spannender ist der Vorgang an sich: Wie geraten die Dokumente aus dem Vatikan an die Medien? Und wer profitiert davon?

Auf Deutsch verfasstes Papier

Da war das von einem Unbekannten auf Deutsch verfasste Papier, in dem es hieß, Papst Benedikt werde die kommenden zwölf Monate nicht überleben und versuche schon einen Nachfolger aufzubauen. Das habe Palermos Kardinal Romeo während einer Chinareise gesagt. Im Januar hatte der greise kolumbianische Kardinal Darío Castrillón Hoyos dem Papst eine Aktennotiz zu diesen Gerüchten übergeben. Die erschien dann wenige Wochen darauf als Faksimile in der eher linken italienischen Tageszeitung Il Fatto Quotidiano.

Romeo dementiert, dass er Derartiges gesagt hat, und im Vatikan hält man die ganze Sache offenbar für lachhaft. Aber irgendwie war der Vorgang eben aus dem Inneren des Staatssekretariats gedrungen, der Regierungszentrale des Vatikan. Genau wie zuvor die beiden vertraulichen Schreiben des päpstlichen Nuntius in den USA, Erzbischof Carlo Maria Viganò.

Papst Benedikt XVI. in Deutschland

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