bedeckt München 20°

US-Bundesstaat Louisiana:Hurrikan "Laura" verursacht Winde von 240 km/h

Mehr als 600 000 Menschen wurden in den US-Bundesstaaten Louisiana und Texas angewiesen, sich vor dem Sturm der Kategorie 4 in Sicherheit zu bringen. Die Behörden warnen vor einer lebensbedrohlichen Flutwelle.

Hurrikan Laura ist im US-Bundesstaat Louisiana als Sturm der Kategorie 4 auf Land getroffen. Er erreichte am frühen Donnerstagmorgen (Ortszeit) in der Nähe der Gemeinde Cameron die Küste und hatte Windgeschwindigkeiten von 240 Kilometern pro Stunde, wie das Nationale Hurrikanzentrum mitteilte (NHC). Nach seinem Auftreffen an Land wurde Laura auf Stärke drei herabgestuft.

Es war befürchtet worden, dass Laura der heftigste Wirbelsturm seit 160 Jahren in Louisiana werden könnte. An der Golfküste der USA warnten die Behörden deshalb eindringlich vor dem Wirbelsturm. Das NHC spricht von einer möglicherweise lebensbedrohlichen Flutwelle und potenziell katastrophalen Schäden.

In Louisiana und Texas sind mehr als 600 000 Menschen dazu verpflichtet, sich in Sicherheit zu bringen. Bislang fiel der Strom in mehr als 100 000 Wohnhäusern und Geschäftsgebäuden aus.Tausende Bewohner der Golfküste flohen vor Laura ins Landesinnere. Hotels und Notunterkünfte füllten sich schnell. Manche Schutzsuchenden mussten unverrichteter Dinge weiterziehen. "Wir haben keinen Platz zum Schlafen für sie", sagte die Bürgermeisterin der Stadt Ennis, Angeline Juenemann. Die Hotels seien zu "100 Prozent" ausgebucht. Ennis liegt südlich von Dallas - etwa 320 Kilometer von der Küste entfernt.

Laura war zuvor immer stärker geworden. Hurrikan-Forscher Brian McNoldy von der Universität Miami sprach davon, Laura sei im "Vollbiest-Modus" (full beast mode). In der Karibik hatte der Sturm am Wochenende bereits 24 Menschen das Leben gekostet und Tausende Häuser zerstört.

Der Hurrikan klinge wie "ein dröhnendes Düsentriebwerk", beschrieb ein Reporter des Fernsehsenders CNN die Situation in Lake Charles. Der Hurrikan lasse selbst die stabilsten Gebäude erzittern, Glasscherben flögen durch die Luft. Das Hurrikanzentrum warnte Anwohner via Twitter: "Gehen Sie jetzt in Deckung." Am sichersten sei es, im Hausinneren unter einem Tisch oder einem anderen stabilen Möbelstück in Deckung zu gehen, sich nicht in Fensternähe aufzuhalten und den Körper mit Matratzen oder Kissen zu schützen. Es handele sich um eine "lebensbedrohliche Situation", betonte das NHC.

Das Wasser könnte sich zwei Stockwerke hoch auftürmen

Das amerikanische Hurrikan-Zentrum befürchtet, der Wirbelsturm könnte in einigen Küstenorten Louisianas Sturmfluten von fast sechs Metern Höhe verursachen. Auch mit Starkregen und Tornados sei zu rechnen. Benjamin Schott vom Nationalen Wetterdienst sprach bei einer Pressekonferenz von einer Flutwelle, die nicht zu überleben sei. So habe er sich noch nie ausgedrückt, und er tue es auch nicht gern. Allerdings sei es für die meisten Menschen unvorstellbar, dass sich an manchen Stellen das Wasser in der Höhe von zwei Stockwerken aufbauen könne - aber genau das werde passieren. Die Flutwelle könne zudem kilometerweit ins Landesinnere eindringen.

Der Gouverneur von Louisiana, John Edwards, warnte auf Twitter, es blieben zur Evakuierung nur noch ein paar Stunden Zeit. Die gesamte Nationalgarde des Bundesstaates sei in Einsatzbereitschaft versetzt worden. Auch in Texas steht die Nationalgarde mit Spezialfahrzeugen und Rettungshubschraubern bereit, wie Gouverneur Greg Abbott erklärte.

"Wir werden sehen, was wir bei unserer Rückkehr vorfinden", sagte Brad Cooksey, der mit seiner Frau den besonders gefährdeten Ort Port Arthur verließ. "Wir können nichts daran ändern."

Texas ist derzeit besonders stark von der Corona-Pandemie betroffen. Im benachbarten Louisiana - und dort vor allem in der Stadt New Orleans - hatte 2005 der Hurrikan Katrina enorme Schäden angerichtet. Die für die Wirtschaft der Region bedeutende Ölproduktion wurde wegen Laura bereits so stark heruntergefahren wie seit Katrina nicht mehr.

© SZ/Reuters/AP/Bloomberg/jobr/ick/gal
Rekordeisverlust in Grönland

SZ Plus Klimawandel
:Die vergessene Katastrophe

Schmelzendes Polareis, Rekordtemperaturen und Waldbrände: Während die Welt im Bann der Pandemie steht, kommt die Erde immer weiter aus dem Gleichgewicht. Wo die Lage am brisantesten ist.

Von Sören Müller-Hansen und Julian Rodemann

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite