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USA:Amokläufer von Florida bekennt sich zur Tat

  • Bei einem Amoklauf an der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland, Florida, hat ein 19-Jähriger 17 Menschen erschossen.
  • Nach dem Amoklauf hat der Angreifer die Tat eingeräumt.
  • Die Anwältin des Angreifers sagt, ihr Mandant sei traurig und reumütig.

Die Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland ist eine vorbildliche Schule in einer Kleinstadt, die als eine der sichersten des Landes gilt. Seit Jahren schon lassen die Verantwortlichen hier regelmäßig Notfälle üben, Feuer in Klassenzimmern etwa. Auch am Morgen des Valentinstags hatte es eine solche Feuerübung gegeben. Doch als am Nachmittag die Alarmglocken ein zweites Mal läuteten, war es keine Übung. Es brannte auch nicht. Den Alarm ausgelöst hatte der 19-jährige Nikolas C. , der auf dem Vorhof auf die Schüler und Lehrer wartete, die aus den Zimmern gerannt kamen. Er schoss auf sie mit einem halbautomatischen AR-15-Gewehr, mit mehreren Magazinen. Das anschließende Chaos nutzte er, um zu entkommen.

Wenig später wurde der Schütze gefasst. Inzwischen hat er seine Tat eingeräumt. Wie am Donnerstag aus einem Polizeibericht hervorging, gab Nikolas C. zu, die Schüsse abgegeben zu haben. Bei einem Verhör sagte er demnach, er habe am Mittwochnachmittag angefangen, auf Schüler zu schießen, die er in den Fluren und auf dem Schulgelände gesehen habe. In seinem Rucksack habe er weitere Munition bei sich gehabt. Als Schüler zu fliehen begonnen hätten, habe er sich entschlossen, sein Gewehr und eine Weste abzuwerfen, damit er sich unter die Menge mischen konnte. Dem Bericht zufolge hatte er die Waffe im Februar 2017 an einem unbekannten Ort erworben.

Kriminalität Im Durchschnitt zwei Schießereien pro Woche
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Im Durchschnitt zwei Schießereien pro Woche

Die Schießerei in Florida ist die schlimmste in den USA seit 2012. Und sie ist der 15. Vorfall mit Schusswaffen an Schulen und Unis - allein in den ersten 46 Tagen dieses Jahres.   Von Max Sprick (Text) und Julia Kraus (Grafik)

17 Menschen sind tot, viele davon Teenager, 15 weitere Personen verletzt. Unter den Getöteten ist auch ein Football-Coach, der sich vor seine Schüler gestellt hatte. Auf den Fernsehsendern sah man die Bilder und hörte die Diskussionen, die man schon so oft gesehen und gehört hat: aufgewühlte Überlebende, weinende Eltern, Nachrichtensprecher, die SMS von Kindern vorlesen: "Alarmstufe rot in der Schule", "Mom, ich habe solche Angst". Der Mann, der so viel Leid angerichtet hat, war noch bis vergangenes Jahr selbst an diese Schule gegangen, kannte das Gelände und das Gebäude - und dass er mit einem Gewehr zurückgekehrt war, erschien im Nachhinein vielen nicht überraschend.

Zwischenzeitlich war der Täter in psychatrischer Behandlung

Da waren die Waffen, die der Schütze mehrfach zur Schule mitgebracht und den anderen auch gezeigt hatte, wie Schüler berichteten: Messer in der Lunchbox etwa. Scott Israel, zuständiger Sheriff des Broward County, bestätigte, dass der Täter als Schüler nicht mehr mit einem Rucksack zur Schule kommen durfte; warum, war zunächst nicht klar. Die Schulleitung hat ihn später wegen disziplinären Problemen von der Schule ausgeschlossen. Da waren die Aussagen von Schülern, die ihn als verschrobenen Einzelgänger beschrieben, als "weirdo". Und da waren seine Instagram-Fotos, auf denen er sich mit Schusswaffen, Munition und getöteten Tieren zeigte und davon sprach, jemanden zu erschießen. "Sehr, sehr verstörend" nannte Sheriff Israel das Material. Auch das FBI hatte Kenntnis von Drohungen, die der Schütze auf Youtube veröffentlicht hatte. Mehrere Schüler berichteten, dass sie Sprüche gemacht hätten, halb im Scherz, halb besorgt: Der schießt eines Tages mal alle zusammen. "Alle haben vorausgesagt, dass er so etwas tun würde", sagte ein Schüler einem lokalen TV-Sender in Florida.

Seit wenigen Monaten wohnte der 19-Jährige bei der Familie eines Freundes. Der Adoptivvater war schon vor längerer Zeit gestorben, in November starb auch die Adoptivmutter. Zwischenzeitlich war der Schütze offenbar in psychiatrischer Behandlung. Der Gastfamilie, die ihn aufnahm, erschien er "depressiv, ein bisschen schrullig vielleicht", sagt ihr Anwalt Jim Lewis. "Aber sie haben nie irgendetwas gesehen, das gewalttätig war."

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Auch soll er einer Vereinigung weißer Rassisten angehören. Die Menschenrechtsorganisation Anti Defamation League (ADL) erklärte, der 19-Jährige habe zur sogenannten Republic of Florida gehört und an deren paramilitärischem Training teilgenommen. Er ist nun wegen 17-fachen Mordes angeklagt.

Seine Anwältin Melisa McNeill sagte am Donnerstag, ihr Mandant sei traurig und reumütig. Nikolas C. sei sich vollkommen bewusst, was vor sich gehe, sei aber ein "gebrochenes menschliches Wesen."

Die Tat von Parkland reiht sich ein in eine lange Liste von Amokläufen an amerikanischen Schulen in den vergangenen Jahren. US-Präsident Donald Trump versprach am Donnerstag, für mehr Sicherheit an den Schulen zu sorgen. Kinder müssten das Signal bekommen, dass sie nie allein seien, sagte Trump. Schärfere Waffengesetze, die die oppositionellen Demokraten fordern, erwähnte er nicht. Ein Behördenvertreter bestätigte, dass der Schütze das Gewehr legal erworben hatte. "Wie viele Male noch?", fragte die New York Post auf ihrer Titelseite. Den Amerikanern graut vor einer Antwort.

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