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Sprache:"Rückführungspatenschaften" und "Corona-Diktatur" sind Unwörter des Jahres

Demonstration gegen Corona-Auflagen in Stuttgart

Ein Teilnehmer bei einer Protestkundgebung zu den Corona-Beschränkungen auf dem Cannstatter Wasen.

(Foto: Christoph Schmidt/dpa)

Damit kürt die Jury erstmals zwei Begriffe. Es würden schließlich auch abseits der Pandemie "inhumane und unangemessene Wörter" verwendet.

Als Unwörter des Jahres 2020 sind die Begriffe "Rückführungspatenschaften" und "Corona-Diktatur" gekürt worden. Erstmals sei damit ein Unwort-Paar gewählt worden, teilte die Jury der "Sprachkritischen Aktion" am Dienstag in Darmstadt mit.

Damit nehme die Jury Rücksicht darauf, dass das Thema Corona-Pandemie in der Öffentlichkeit wie in den Unwort-Einsendungen dominiert habe. Man wolle aber zugleich darauf aufmerksam machen, "dass auch in anderen Themenbereichen weiterhin inhumane und unangemessene Wörter geprägt und verwendet werden".

"Rückführungspatenschaften" sei ein Begriff der EU-Kommission, mit dem neue Mechanismen der Migrationspolitik bezeichnet wurden. Das Wort sei zynisch und beschönigend. Mit Rückführung sei nichts anderes gemeint als Abschiebung und die Patenschaft sei ein eigentlich positiv besetzter Begriff.

Der Begriff der "Corona-Diktatur" sei seit Beginn des öffentlichen Diskurses in der Pandemie von selbst ernannten "Querdenkern" und rechten Propagandisten gebraucht worden, um regierungspolitische Maßnahmen zur Eindämmung zu diskreditieren. Der Ausdruck verharmlose "tatsächliche Diktaturen und verhöhnt die Menschen, die sich dort gegen die Diktatoren wenden und dafür Haft und Folter bis hin zum Tod in Kauf nehmen oder fliehen müssen", heißt es in der Begründung für die Auswahl.

Die "Sprachkritische Aktion" - eine überwiegend aus Sprachwissenschaftlern bestehende Jury - will mit dem Unwort des Jahres auf unangemessenen, verschleiernden oder diffamierenden öffentlichen Sprachgebrauch aufmerksam machen. Dabei werden Wörter gerügt, die gegen die Prinzipien der Menschenwürde oder Demokratie verstoßen, die gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder die euphemistische, verschleiernde oder irreführende Formulierungen sind. Reine Schimpfwörter zählen nicht. Vorschläge müssen mindestens eines der Kriterien erfüllen.

Im Jahr 2019 war "Klimahysterie" das Unwort des Jahres, 2018 "Anti-Abschiebe-Industrie". 2017 hatte die Jury die Wendung "alternative Fakten" zum Unwort des Jahres bestimmt, 2016 war es der Begriff "Volksverräter". Die Wahl findet seit 1991 statt.

© SZ/epd/dpa/mkoh/nas
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