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Unwetter:"Axel" bringt Sturm nach Deutschland - Flut an der Ostsee erwartet

  • Orkanartige Böen und heftige Schneefälle haben am Mittwoch für Verkehrsunfälle und Verspätungen im Bahnverkehr gesorgt.
  • An der Ostseeküste wird bis Mitternacht das stärkste Hochwasser seit 2006 erwartet.

Sturmtief "Axel" ist in der Nacht über Deutschland gezogen und wird noch den ganzen Tag über ungemütlich präsent bleiben. Starke Sturmböen, Regen- und Schneeschauer haben bereits Verspätungen im Bahnverkehr und Unfälle im ganzen Land verursacht.

In den Mittelgebirgen und im Bayerischen Wald schneite es in der Nacht zum Teil heftig. Durch den starken Wind mit Geschwindigkeiten von bis zu 75 Stundenkilometern gebe es mancherorts gefährliche Schneeverwehungen, sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes. Über den Brocken im Harz und weitere Höhenlagen zogen orkanartige Böen.

Verkehrsbehinderungen in Bayern, Zugverspätung in Hamburg

Vor allem in Ostbayern kamen die Autofahrer ins Rutschen, die Streufahrzeuge waren mancherorts im Dauereinsatz. In Oberfranken ereigneten sich laut Polizei etwa 30 Unfälle, bei denen vier Menschen leicht verletzt wurden. In Oberbayern sind zwei Männer tödlich verunglückt, als sich ihr Wagen am Dienstagabend auf einem Parkplatz nahe dem Skigebiet Sudelfeld aus noch ungeklärter Ursache überschlagen hatte. Der Deutsche Wetterdienst warnt weiterhin vor Schneeverwehungen. Vor allem im Frankenwald, im Fichtelgebirge, im nördlichen Oberpfälzer Wald und in Alpennähe sollten Autofahrer wachsam sein.

In Schleswig-Holstein war auf der Strecke zwischen Kiel und Hamburg wegen umgestürzter Bäume nur ein Gleis befahrbar. In Hamburg stieg das Morgenhochwasser am Fischmarkt St. Pauli auf 2,10 Meter über dem mittleren Hochwasser und galt damit als Sturmflut. Die meisten Fluttore blieben aber offen. Am tief gelegenen Fischmarkt fuhren Autos und Busse durch das kniehoch auf der Straße stehende Wasser. Die Feuerwehr rückte zu 40 wetterbedingten Einsätzen aus, um vollgelaufene Keller und überspülte Straßen abzupumpen oder umgestürzte Bäume wegzuräumen. Verletzte habe es nicht geben, sagte ein Sprecher.

Usedom und Rügen messen Wasserstände von einem Meter über Normal

An der Ostseeküste steigen unterdessen die Pegelstände weiter. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) erwartet ab Mittwochabend bis Mitternacht eine Sturmflut und Höchststände von etwa 1,50 Meter über Normal an der gesamten deutschen Ostseeküste. Zunächst wird das Wasser auf die östlichen Strände bei Usedom und im Greifswalder Bodden drücken, später dann bei Rostock, Wismar und Flensburg. Dass es auch zu höheren Wasserständen als 1,50 Meter über Normal kommen könne, sei nicht auszuschließen. Behörden und Kreise stellen sich auf das vermutlich stärkste Hochwasser seit 2006 ein.

Am frühen Abend wurden an den Küsten der Inseln Usedom und Rügen sowie in Greifswald Wasserstände von deutlich mehr als einem Meter über Normal gemessen. Die Landkreise Vorpommern-Rügen und Vorpommern-Greifswald riefen am späten Nachmittag Alarmstufe 2 aus. Damit wurden die Ordnungsämter der Küstengemeinden verpflichtet, die Deiche und Dünen regelmäßig zu kontrollieren.

© SZ.de/dpa/lot/afis
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