Miami:Mehr Todesopfer nach Hochhaus-Kollaps gefunden

Miami: Zwei Jungen hinterlassen Blumen an einer provisorischen Gedenkwand für Opfer und Vermisste des Hochhaus-Unglücks in Miami

Zwei Jungen hinterlassen Blumen an einer provisorischen Gedenkwand für Opfer und Vermisste des Hochhaus-Unglücks in Miami

(Foto: Jose A Iglesias/AP)

Die Zahl der geborgenen Leichen hat sich auf 16 erhöht. Fast 150 Menschen werden noch vermisst. Für sie besteht kaum noch Hoffnung.

Nach dem Teileinsturz eines zwölfstöckigen Wohnhauses im US-Bundesstaat Florida steigt die Zahl der Todesopfer weiter. In den Trümmern seien vier weitere leblose Körper gefunden worden, sagte die Bürgermeisterin des Bezirks Miami-Dade, Daniella Levine Cava, am Mittwoch an der Unglücksstelle in Surfside nahe Miami. Die Zahl der Toten sei damit auf 16 gestiegen. 147 Menschen gelten allerdings noch als vermisst.

Nicht alle von ihnen müssen in dem Gebäude gewesen sein, nicht alle müssen verschüttet sein. Doch die Tatsache, dass die Ermittler nach mehreren Tagen intensiver Suche nicht mehr Personen anderswo ausfindig machen konnten, lässt Schlimmstes befürchten. Experten rechnen damit, dass die Zahl der Toten noch deutlich steigen wird.

Das strandnahe Gebäude mit rund 130 Wohneinheiten war in der Nacht zu Donnerstag teilweise eingestürzt. Die Menschen wurden im Schlaf von dem Unglück überrascht. Seitdem läuft die Suche nach Überlebenden. Die Einsatzkräfte in Surfside arbeiten seit Tagen rund um die Uhr. Die Chancen, noch Überlebende zu finden, schwinden mit jeder Stunde.

Sofort nach dem Einsturz haben Einsatzteams die Arbeit aufgenommen. Mehrere Dutzend Menschen wurden gleich zu Beginn gerettet. Das Gebäude war aus dem Nichts in sich zusammengesackt, wie Bilder von Überwachungskameras angrenzender Häuser zeigen.

Angehörige werden um DNA-Proben gebeten

Die Bürgermeisterin erklärte, die Einsatzkräfte entdeckten auch "menschliche Überreste", also Teile von Körpern, die durch die Wucht des Einsturzes zerfetzt wurden. Angehörige wurden um DNA-Proben gebeten, um die Opfer zu identifizieren. Dieser Prozess sei nicht einfach, sagt Levine Cava. Die Suche nach Überlebenden werde aber noch nicht aufgegeben.

Der stellvertretende Leiter der Feuerwehr im Bezirk, Raide Jadallah, sagte am Montag, es sei ein Missverständnis zu glauben, dass die Suche nach Überlebenden nach Ablauf einer gewissen Zeit automatisch ende. "Das ist keineswegs der Fall." Eine solche Entscheidung hänge von vielen Faktoren ab.

In den Trümmern des Wohnhauses hätten die Suchtrupps mit Kameras etwa Hohlräume entdeckt, die potenziell groß genug seien, dass dort Menschen sein könnten, sagte Jadallah. Die Teams hätten noch nicht selbst zu diesen Bereichen vordringen können, arbeiteten aber daran. Sie haben nach Angaben von Levine Cava eine Art Graben inmitten des Trümmerberges ausgehoben, um tiefer in den Schutt vordringen zu können.

Der Beton ist zum Teil pulverisiert

Die Suchteams sind mit Spürhunden, Spezialkameras, Horchinstrumenten und schwerem Gerät im Einsatz. Schutt, der an dem Gebäude abgetragen wird, wird nach Behördenangaben in eine Lagerhalle transportiert für Untersuchungen der Unglücksursache. Warum der als Champlain Tower South bekannte Wohnkomplex aus den 1980er Jahren einstürzte, ist bislang unklar.

Jadallah sagte, die Lage sei "komplex". Die Einsatzkräfte hätten es teils mit Betin zu tun, der pulverisiert ist und anderen Teilen, die die Größe von Basket- oder Basebällen haben. Mit jeder Bewegung bewege sich der Schuttberg mit. Man könne nicht einfach einen riesigen Betonbrocken zur Seite heben, und damit sei es erledigt. "Das ist ein zwölfstöckiges Gebäude", betonte er. "Das wird Zeit brauchen."

Feuerwehrchef Alan Cominsky sagte, die Lage sei fordernd, schwierig und "extrem gefährlich". Zwischenzeitlich hatten ein Feuer in den Trümmern und starker Regen die Suchaktion behindert.

Manche Angehörige haben die Hoffnung aufgegeben. Pablo Rodriguez etwa hatte anfangs Zuversicht, dass die Suchteams seine Mutter und seine Großmutter würden retten können. Nun glaube er nicht mehr daran, sagte der 40-Jährige der Washington Post: "Ich habe keine Hoffnung, dass sie sie lebendig finden werden und dass ich sie tatsächlich noch mal sehen oder sprechen kann." Er hoffe nur, dass die Suchtrupps "etwas" finden, "damit wir sie richtig beerdigen können".

© SZ/dpa/kler
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