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Tunesien: Schwedische Touristen attackiert:Gejagte Jäger

Sie waren als Urlauber gekommen, wollten in den Bergen Wildschweine jagen. Aber 13 Schweden gerieten in Tunesien zwischen die Fronten: Sie wurden mit Faustschlägen traktiert, als Sicherheitskräfte ihre Gewehre fanden.

Der Urlaub der 13 Schweden war eigentlich schon vorbei, sie waren auf dem Weg zurück nach Hause. Zehn Tage waren sie in Tunesien gewesen, in den Bergen nahe der Stadt Kasserin, wo sie Jagd auf Wildschweine gemacht hatten.

Ove Oberg

Ove Oberg und seine zwölf Jagdkumpane waren nach Tunesien gekommen, um Wildschweine zu schießen. Als ihr Taxi angehalten wurde und die Sicherheitskräfte die im Kofferraum deponierten Waffen entdeckten, gerieten die schwedischen Touristen plötzlich mitten in die Auseinandersetzungen.

(Foto: AP)

Aber wegen der angespannten Lage konnten sich nicht ausreisen und strandeten am Flughafen. Auf einige Faust fassten sie den Entschluss, mit dem Taxi zurück in die Stadt zu fahren, um ein Hotel zu suchen. Das war ihr Fehler, denn so gerieten sie zwischen die Fronten.

Sie seien in drei Taxis unterwegs gewesen, als sie an einer improvisierten Straßensperre von Bürgermilizen angehalten worden seien, sagte Ove Oberg, einer der Jäger, zu Journalisten in Tunis. Bei der Durchsuchung der Wagen seien ihre Gewehre entdeckt worden, daraufhin sei die Lage eskaliert. "Sie haben uns aus den Autos gezerrt, uns wie ausländische Terroristen behandelt. Wir wurden mit Füßen getreten und geschlagen." Die Uniformierten dachten offenbar, die Ausländer wollten sich an den Auseinandersetzungen beteiligen.

Oberg und fünf neben ihm stehende Schweden hatten zahlreiche blaue Flecken und Blutergüsse. Drei andere Jäger in einem anderen Fahrzeug wurden nicht angegriffen, das Schicksal von drei weiteren Schweden sei unklar. Die Polizei habe ihnen schließlich geholfen, die Angelegenheit zu klären, sagte Oberg. Nach Angaben der Polizei wurden die Taxis im Stadtzentrum von Tunis, rund 300 Meter vor dem Sitz der oppositionellen Demokratischen Fortschrittspartei gestoppt. Von dort war am Nachmittag ein kurzer Schusswechsel gemeldet worden.

In der Hauptstadt herrschte zu diesem Zeitpunkt eine angespannte Atmosphäre. Immer wieder hielten Sicherheitskräfte Taxis und andere Fahrzeuge an und durchsuchten sie nach Waffen. Kurze Zeit später kam es zu Gefechten zwischen bewaffneten Anhängern des abgesetzten Präsidenten Zine el-Abidine Ben Ali und Sicherheitskräften der Übergangsregierung. Mit Beginn der nächtlichen Ausgangssperre kehrte jedoch wieder Ruhe ein.

Inwieweit der Vorfall mit der Festnahme von vier Deutschen zusammenhängt, war zunächst unklar. Ein Polizeivertreter hatte im Staatsfernsehen erklärt, vier bewaffnete Deutsche seien festgenommen worden, sie seien gemeinsam mit weiteren Ausländern in drei Taxis unterwegs gewesen. Offenbar wurde fälschlich angenommen, bei den Schweden handele es sich um Deutsche.

© sueddeutsche.de/AFP/dpa/olkl
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