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Tunesien:Polizisten wegen Vergewaltigung verurteilt

Sieben Jahre müssen zwei Polizisten ins Gefängnis, weil sie eine Frau vergewaltigt haben. Der Fall sorgte 2012 international für Aufregung, weil zunächst das Opfer selbst vor Gericht stand.

"Guilty of Being Raped" heißt ihr Buch - schuldig, vergewaltigt worden zu sei. Vor zwei Jahren stand eine junge Tunesierien vor Gericht, nachdem zwei Polizisten sie vergewaltigt hatten. Nun sind die Täter verurteilt worden. Die beiden Männer müssen für jeweils sieben Jahre ins Gefängnis. Sie hätten "alles abgestritten", sagte die Anwältin der Frau, die bekannte Menschenrechtlerin Radhia Nasraoui, nach dem Ende des Prozesses, der hinter verschlossenen Türen stattfand.

Die Vergewaltigung der damals 27-Jährigen hatte vor zwei Jahren international Empörung ausgelöst, als das Opfer nach der Tat belangt werden sollte. Der Vorwurf: Sie habe gegen die Sittlichkeitsgesetze des Landes verstoßen. Der Fall sorgte für große Proteste - zumal sich das nordafrikanische Land nach der Absetzung des langjährigen autokratischen Herrschers Zine el-Abidine Ben Ali in einer kritischen Phase befand. Die Proteste hatten Erfolg: Ende November 2012 wurde das Verfahren eingestellt.

Menschenrechtlerin Nasraoui sagte, sie sei von dem Urteil gegen die Polizisten enttäuscht und halte es für zu "milde". Die beiden Männer hatten in dem Sittlichkeitsprozess ausgesagt, die junge Frau und ihren Verlobten in einem Vorort der Hauptstadt Tunis bei sexuellen Handlungen in ihrem Auto überrascht zu haben.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft vergewaltigten die Männer die Frau, während ein dritter Polizist ihren Freund zu einem Geldautomaten fuhr, um ihm Geld abzunötigen. Der Nachrichtenagentur AP zufolge wurde der Beamte zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt.

© Süddeutsche.de/AFP/leja/feko

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