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Beben-Experte:"Japan hat sich richtig gerüstet"

Was tun, wenn eine mörderische Monsterwelle auf einen zurast? Erdbeben-Experte Heiko Woith über die Tsunami-Gefahr, die Vorhersehbarkeit von Katastrophen - und die Gründe, warum die Japaner noch glimpflich davongekommen sind.

Dr. Heiko Woith arbeitet am Deutsches Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam, seine Spezialgebiete sind Erdbebenrisiko und Frühwarnung.

Yokohama Central Library

Mehr als 140.000 Menschenleben forderte das große Kantō-Erdbeben von 1923. Im Bild ist die durch Brände verwüstete Großstadt Yokohama zu sehen.

(Foto: Yokohama Central Library)

sueddeutsche.de: Herr Woith, Japan wurde von einem massiven Beben erschüttert. Was genau ist da im Untergrund passiert?

Heiko Woith: Im Prinzip nichts Ungewöhnliches. Es ist zu einem Überschiebungserdbeben gekommen vor der Küste. Die Pazifische Platte schob sich unter die Eurasische Platte. Die Plattengeschwindigkeit liegt in der Größenordnung von acht, neun Zentimetern pro Jahr. Japan ist Teil des Pazifischen Feuergürtels, dort kommt es immer wieder zu schweren Beben.

sueddeutsche.de: Das heutige Beben hatte einen Wert von circa 8,9 auf der Richterskala. Wie häufig gibt es solche massiven Erdstöße?

Woith: Global gibt es Magnitude-Acht-Beben einmal pro Jahr. Es handelt sich also um ein außergewöhnlich starkes Beben. Für Japan liegt die Wiederkehrperiode von Magnitude-Acht-Beben im Durchschnitt bei 180 Jahren.

sueddeutsche.de: Wann wurde Japan zuletzt von einem solch massiven Beben erschüttert?

Woith: Das war 1923, beim Kantō-Erdbeben, das Epizentrum lag übrigens, ähnlich wie heute, ebenfalls vor der Hauptinsel Honshū. Damals wurde ein Wert von etwa 7,9 gemessen. Bei dieser Katastrophe starben mehr als 140.000 Menschen.

sueddeutsche.de: Hat es vor dem heutigen Beben Warnsignale gegeben?

Woith: Uns liegen derzeit noch keine Informationen darüber vor. Aber generell kann man sagen: Retrospektiv ist vieles erkennbar, seriös vorhersagen kann man Beben aber nicht. Ob leichte Erdstöße ein größeres Beben ankündigen oder ob nichts nachkommt, bleibt offen.

Das Foto-Protokoll

Wie die Katastrophe kam