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Tropensturm Harvey:Behörden gehen von 30 Toten durch Tropensturm Harvey aus

  • In Houston mussten wegen des Tropensturms Harvey so viele Menschen aus ihren überfluteten Häusern fliehen, dass es in den von der Stadt eingerichteten Notunterkünften nicht genügend Betten gibt.
  • Ein Damm außerhalb der Stadt ist offenbar gebrochen.
  • Außerdem wurde für Houston eine nächtliche Ausgangssperre verhängt.

Nach einem Dammbruch infolge des Tropensturms Harvey haben die Behörden im US-Bundesstaat Texas die betroffenen Anwohner zur sofortigen Evakuierung aufgefordert. "Sofort raus jetzt!!", schrieb die Verwaltung des Kreises Brazoria im Kurzbotschaftendienst Twitter. Der Damm an den Columbia-Seen etwa 80 Kilometer südlich der Großstadt Houston habe unter dem Druck der Wassermassen nachgegeben. Allerdings hieß es anschließend, der Damm sei stabilisiert, die ausgetretene Wassermenge sei vernachlässigbar. In Brazoria County wurde eine Ausgangssperre zum Schutz vor Plünderern für die Gegenden verhängt, wo eine Zwangsevakuierung angeordnet worden war.

Der nationale Wetterdienst teilte mit, dass die Regenfälle in Texas einen neuen Rekordwert gesetzt haben. In der Stadt Pearland, im Südosten von Houston, wurden seit Freitag Niederschlagsmengen von insgesamt 125 Zentimetern gemessen. Ein Polizist aus Houston kam in den Fluten ums Leben. Offiziell bestätigt sind bislang vier Tote, laut New York Times gehen die Behörden jedoch von insgesamt 30 Toten aus.

Der gebrochene Damm liegt mehrere Dutzend Kilometer von der Millionenstadt Houston entfernt, sie war von dem Dammbruch nicht unmittelbar betroffen. Sie ist aber durch die starken Regenfälle teilweise überflutet. Am Abend verhängte auch Sylvester Turner, Houstons Bürgermeister, eine nächtliche Ausgangssperre für die Millionenmetropole, um Plünderungen vorzubeugen.

Betten werden knapp

In Houstons größter Notunterkunft sind schon jetzt die Betten knapp geworden (mehr über die Zustände dort hier). Ursprünglich ist das George R. Brown Convention Center, ein groß angelegtes Kongress- und Veranstaltungszentrum, auf die Aufnahme von 5000 Menschen ausgelegt. Lokale Medien berichten, dass nun bereits mehr als 9000 vom Hurrikan Betroffene dort gestrandet seien.

Man schicke niemanden weg, erklärte das Rote Kreuz, das die Notunterkunft organisiert. Wegen der hohen Zahl an Hilfesuchenden im Convention Center bekomme aber nicht jeder ein eigenes Bett. Wer um Aufnahme bitte, werde registriert und mit Essen, Decken, Handtüchern und Kleidung versorgt.

"Es ist das erste Mal, dass ich alles verloren habe", zitiert die New York Times eine 41-Jährige, die mit ihrem Mann in die Unterkunft gekommen ist. Immerhin habe sie noch ihr Leben - und ihren Ehemann. Insgesamt scheinen viele Menschen vor allem schockiert über die Flut, erschöpft, und glücklich, überlebt zu haben.

Bis zu 30 000 Menschen könnten obdachlos werden

Während des Wirbelsturms Katrina vor zwölf Jahren waren in Louisiana ebenfalls viele Menschen in einer riesigen Halle untergebracht, damals gab es Berichte über unhaltbare Zustände und Gewalt in der Notunterkunft. Auch jetzt sei immer wieder zu beobachten, dass beim Schlangestehen für Lebensmittel das "Recht des Stärkeren" angewandt werde, heißt es in einem Bericht der New York Times.

Experten gehen davon aus, dass Tropensturm Harvey im Südwesten von Texas bis zu 30 000 Menschen obdachlos machen könnte. Die Millionenmetropole Houston ist besonders stark betroffen von den Auswirkungen der Überschwemmungen. Bilder aus mehreren Notunterkünften entlang der Küste zeigen Menschen, die auf Matten und Kartons am Boden schlafen.

Seit Freitag wütet der Sturm Harvey an der US-Golfküste. Tausende Menschen werden evakuiert. Meteorologen rechnen auch für die kommenden Tage mit starkem Regen im Südosten von Texas und dem Südwesten Louisianas.

© SZ.de/dpa/lot/feko/wib/ghe/ewid
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