Warum wurden Warnungen ignoriert?

Die Luftaufnahmen des Veranstaltungsgeländes lassen schon nichts Gutes ahnen: Der Schauplatz der Loveparade liegt eingezwängt zwischen der Autobahn und diversen Bahngleisen. Man betritt und verlässt das Gelände über eine Rampe, die wiederum nur über Tunnels zu erreichen ist. Etlichen Sicherheitsexperten war sehr unwohl bei der Vorstellung, in dieser Enge ein Fest mit Hunderttausenden Partygästen zu veranstalten, von denen erfahrungsgemäß viele unter dem Einfluss von Drogen und Alkohol stehen.

Ein Jahr vor Duisburg hatte die Polizei bereits erhebliche Bedenken für die Stadt Bochum geäußert, dort wurde die Party dann auch abgesagt. Der Duisburger Polizeipräsident Rolf Cebin hatte schon lange vor der Katastrophe in seiner Stadt "eklatante Sicherheitsmängel" erkannt. Aber wer wollte das schon hören? Der örtliche Bundestagsabgeordnete Thomas Mahlberg schrieb im Februar 2009 an den damaligen Innenminister Ingo Wolf und klagte darüber, dass Cebin seiner Stadt einen Imageschaden zufüge. Dieser "Eklat" veranlasse ihn zu der Bitte, "Duisburg von einer schweren Bürde zu befreien und den personellen Neuanfang im Polizeipräsidium Duisburg zu wagen". Cebin ging im Mai dieses Jahres in den Ruhestand.

Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft hatte Duisburg als "ungeeignet für die Loveparade" bezeichnet. Aber nicht nur in der Stadt, sondern im Bundesland Nordrhein-Westfalen insgesamt war die Loveparade politisch erwünscht. Das Projekt Ruhr 2010 soll die Region derzeit als Europäische Kulturhauptstadt darstellen, und auch der Jugend sollte in diesem Festjahr etwas geboten werden. Fritz Pleitgen, der Chef von "Ruhr 2010", hatte die Stadt Duisburg denn auch immer wieder ermutigt. Die Loveparade hatte in früheren Jahren bereits in Essen und Dortmund stattgefunden, und nach der Absage Bochums im Jahr 2009 wollte sich die Region keine weitere Blöße geben.

Bild: ag.ddp 28. Juli 2010, 11:142010-07-28 11:14:26 © SZ vom 28.07.10/ebc