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Tierfreundschaft:Tiger schmust mit Ziegenbock

Tiger nimmt Ziege zum Freund

Ungewöhnliche Freundschaft:Timur und Amur.

(Foto: dpa)

In einem russischen Zoo lässt eine Raubkatze ihr Futter am Leben. Der Beginn einer Freundschaft. Davon könne auch die Politik lernen, sagt der Zoowärter.

Wenn Zoowärter Dmitri Mesenzew von Timur, dem Ziegenbock, und Amur, dem Sibirischen Tiger, erzählt, dann ist von einem "Weihnachtsmärchen" die Rede.

Eigentlich sollte der Sibirische Tiger Amur, der im Zoo der russischen Stadt Wladiwostok lebt, den Ziegenbock Timur töten und verspeisen - Sibirische Tiger stehen auf Ziegen, heißt es. Deshalb warf das Zoopersonal seinem Tiger vor gut zwei Wochen den Ziegenbock ins Gehege. Und es passierte: nichts. Der Ziegenbock musste sich nur etwas gegen sein Schicksal wehren und schon ließ der Sibirische Tiger von ihm ab. Für ihn geht die Liebe zur Ziege offenbar so weit, dass er Timur am Leben ließ - und nun mit ihm durch das Gehege tollt. Sogar seinen überdachten Schlafplatz überlässt der Tiger dem Ziegenbock. Er schläft stattdessen auf der Hütte, wie man in diesem Video sehen kann.

Für den Zoo lohnt es sich

Der Zoo von Wladiwostok freut sich nun über ungewöhnlich viel Besuch. "Fernsehteams aus aller Welt kommen, und das Telefon steht nicht mehr still", sagt Mesenzew. Für den Zoo kommt die internationale Aufmerksamkeit gerade recht. Wladiwostok liegt an der Pazifikküste im Osten Russlands, neun Flugstunden von der Hauptstadt Moskau entfernt. Bisher habe der Zoo nur sehr wenige Besucher, das Geld sei knapp, sagt Zoowärter Mesenzew.

Er will nun sogar Kameras am Gehege installieren, damit die Menschen auf der ganzen Welt den Alltag von Tiger und Ziegenbock verfolgen können. Hoffentlich schalten diese nicht im falschen Moment ein. Denn es ist nicht unbedingt gesagt, dass Timur ein langes Leben mit dem kuscheligen Tiger vergönnt sein wird. Ein Zoodirektor aus Nowosibirsk ist zumindest skeptisch, ob die Sache auf Dauer so romantisch bleibt: "Zu 80 Prozent wird Timur am Ende aufgefressen", sagt er.

"Gefangenschaft stumpft die Instinkte der Tiere ab"

Pawel Fomenko vom World Wide Fund For Nature (WWF) erklärt, dass die besondere Freundschaft ohnehin nur in einem Zoo möglich ist. "Gefangenschaft stumpft die Instinkte ab. Zootiere wissen, dass es immer genug Essen gibt. Das ist in der Natur anders", sagt er.

Der Zoodirektor Mesenzew will sich seiner Illusionen nicht berauben lassen. Für ihn sind Timur und Amur mehr als nur zwei befreundete Tiere. Sie stünden für mehr. So könnten der Tiger und der Ziegenbock auch ein Vorbild für die verfeindeten Mächte auf der Welt sein. Mesenzew sagt: "In Zeiten der Kriege in Syrien und in der Ostukraine zeigen die beiden, dass unterschiedliche Seiten friedlich koexistieren können."

Welchen Staatschef er eher in der Rolle des Tigers und welchen als Ziegenbock sieht, das bleibt leider unbeantwortet. Wäre ja auch zu schön gewesen.

© SZ.de/dpa/jps/vit
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