bedeckt München 13°
vgwortpixel

Thailand:Nickerchen auf der Kreuzung

Ein Student legt sich mitten auf einer stark befahrenen Straße in Thailand schlafen. Aus Protest gegen die Diktatur? Gegen den stockenden Verkehr? Falsch gedacht.

Bäuchlings liegt der 19-jährige Norapat Kammart auf dem Zebrastreifen, eingekuschelt unter einer hellgrün gemusterten Bettdecke. Motorräder und Pkws müssen bremsen. Seelenruhig schlummert der Student auf der meistbefahrenen Kreuzung von Chiang Mai, der zweitgrößten Stadt Thailands.

Eine Protestaktion gegen die thailändische Militärdiktatur? Eine Demonstration gegen den hemmungslosen Konsum in den Innenstädten? Oder zumindest Kritik am immer dichter werdenden Autoverkehr in der Stadt? Nein. Nichts von alledem. "Ich schlafe gerne", sagte Kammart der Nachrichtenagentur dpa.

Das Foto wird bei Facebook mehr als 36 000 Mal geliked und tausendfach geteilt, die Nutzer vermuten hinter dem Post ein politisches Statement. Auch die lokalen Medien berichten über den vermeintlichen Protest des Studenten. Auf der Nachrichtenseite Coconuts Bangkok schreibt ein Autor: "Ich muss sagen, der Verkehr bewegt sich dort so langsam, ich würde mich auch schlafen legen."

Für das Foto gab es ein Knöllchen

Aber Kammart wollte gar nicht protestieren - sondern einfach nur sein liebstes Hobby, das Schlafen, mit einem Kunstprojekt fürs Studium verbinden." Ich bin kein Rebell, ich bin nur ein Künstler", sagte Kammart. Er hatte den Auftrag, eine Fotoserie mit sich selbst und Orten in Chiang Mai zu erstellen, an denen sich Touristen aufhalten. Er ließ sich jeweils wie in einem Bett schlafend in einem Tempelgarten, auf einer Museumstreppe, vor einem Einkaufszentrum - und eben auf der Kreuzung ablichten.

Dass das Foto sich viral verbreitete, machte leider auch die Polizei auf den schläfrigen Verkehrsteilnehmer aufmerksam. Er bekam ein Knöllchen wegen Gefährdung im Straßenverkehr. Kammarts schlechtes Gewissen scheint sich in Grenzen zu halten - er hat das Foto nach wie vor als Profilbild bei Facebook.

© SZ.de/dpa/vbol/olkl
Kriminalität Flüchtige 18-Jährige ist unzufrieden mit Fahndungsfoto - und schickt ein schöneres
Sydney

Flüchtige 18-Jährige ist unzufrieden mit Fahndungsfoto - und schickt ein schöneres

Das Privatbild bekommt auf Facebook eine Menge Zuspruch. Die australische Polizei lässt sich davon aber nicht erweichen.

Zur SZ-Startseite