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Tel Aviv:Der Sexshop, der jetzt koscher ist

Illustration: Jessy Asmus

Die israelische Metropole debattiert über ein neues Geschäft.

Man könnte das Geschäft in der Montefiore-Straße im Zentrum Tel Avivs für einen der vielen üblichen schicken Modeläden in dieser Gegend halten, wäre da nicht die riesige Aufschrift in der Auslage: "koscherer SEX". Der erste koschere Sexshop in Israel nimmt nur die rechte Seite des Geschäfts ein, auf der anderen Seite wird Vintage-Kleidung verkauft. "Das senkt die Hemmschwelle hereinzukommen", sagt Chana Boteach.

Auf den Regalen und Tischen liegen dann: Vibratoren, Stäbe und Ringe, Duftöle, Bodylotions, Kerzen, Quasten für die Brüste, Augenbinden und seidene Fesseln. Der Vater habe ihr seinen Segen gegeben, sagt Chana Boteach, die 28-jährige Besitzerin.

Der Vater, das ist der orthodoxe US-Rabbiner Shmuley Boteach, Autor des weltweiten Bestsellers: "Koscherer Sex: Ein Leitfaden für Leidenschaft und Intimität". Dutzende Exemplare seiner Bücher sind im Tel Aviver Geschäft ausgestellt. "Ich habe seine Vorstellungen weiterentwickelt", sagt Chana Boteach, die Tochter. Der Vater wolle hier bald einen Vortrag halten.

Doch Medienberichte über den neu eröffneten Sexshop haben in Israel eine Debatte ausgelöst, denn was ist koscherer Sex denn nun? Boteachs Antwort: "Das Judentum ist voller Weisheiten. Im Gegensatz zu dem, was die meisten denken, hat das Judentum einen sehr gesunden und balancierten Zugang zu Sex, sehr offen. Diese Botschaft wird gerne unterdrückt. Unserer Vorstellung nach ist alles, was ein Paar näher zusammenbringt, koscher und erlaubt."

Ob sie so einen Shop auch in Jerusalem, wo sehr viel mehr religiöse Juden als im toleranten Tel Aviv leben, eröffnen hätte können? Sie zögert. "Ich bin mir nicht sicher, ob die Zeit dafür schon reif ist." Immerhin, ein Zitat aus der Heiligen Schrift hat Boteach schon ausgewählt, sollte das noch mal wichtig werden. Genesis 2,24: "Darum verlässt der Mann Vater und Mutter und hängt seiner Frau an und sie werden ein Fleisch."