Tansania Vom jüngsten Milliardär Afrikas fehlt jede Spur

Der tansanische Milliardär Mohammed Dewji in seinem Büro in Daressalam in Tansania.

(Foto: Khalfan Said Hassan/AFP)
  • Seit einer Woche ist Mohammed Dewji verschwunden, der jüngste Milliardär Afrikas. Zeugen wollen gesehen haben, wie der 43-Jährige entführt wurde.
  • Die tansanische Polizei hat nach eigenen Angaben bisher 26 Personen festgenommen und verhört, eine heiße Spur scheint bisher nicht dabei zu sein.
  • Die Opposition hat die Regierung angesichts der ergebnislosen Suche aufgefordert, sich Hilfe im Ausland zu holen.
Von Bernd Dörries, Kapstadt

Mohammed Dewji hat sich nie versteckt, er hat sich durch Daressalam bewegt, als wäre er ein Bürger wie jeder andere, nicht einer der reichsten Männer Afrikas. Die frühere Hauptstadt von Tansania ist ein verschlafenes Nest, viele wussten, dass sich Dewji jeden Morgen gegen 5.30 Uhr auf den Weg machte von seinem Haus zum Hotel Colosseum, um dort ins Fitness-Studio zu gehen. Und wer es nicht wusste, der merkte es spätestens, wenn der Land Rover mit dem Kennzeichen "MO 1" vorbei fuhr. "Mo", so heißt er für viele in Tansania, so nannte er seine eigene Cola, die nur ein Produkt ist von hunderten aus dem Imperium von Mohammed Dewji, der von Fahrrädern bis Zucker alles verkauft, was ihn zum Milliardär machte. Und wahrscheinlich zum Opfer einer Entführung.

Seit einer Woche ist der 43-Jährige verschwunden. Sein Wagen steht noch immer auf dem Parkplatz des Colosseum-Hotels. Zeugen wollen beobachtet haben, wie Männer ihn dort in ein Auto zwängten, in die Luft schossen und davon fuhren. Aufnahmen gibt es nicht, weil die Überwachungskameras des Hotels defekt oder manipuliert waren. Es ist ein Fall, der das ganze Land rätseln lässt.

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"Alle machen ihre Arbeit, lassen Sie uns die Ruhe bewahren", sagte Innenminister Kangi Lugola vor wenigen Tagen. Für Tansania steht einiges auf dem Spiel: Taucht der reichste Bürger des Landes nicht wieder auf, kratzt das am Ruf des Staates, der als einer der sichersten und stabilsten gilt in Afrika. Die Polizei hat nach eigenen Angaben bisher 26 Personen festgenommen und verhört, darunter Mitarbeiter des Hotels - eine heiße Spur scheint nicht dabei zu sein. Dewjis Familie lobt für Hinweise eine Belohnung von fast 400 000 Euro aus. Die wenigen Informationen, die es über die Täter gibt, sind widersprüchlich. Ein Polizeikommandeur sagte, man habe mehrere "weiße" Täter gesehen, andere Zeugen sprachen davon, dass die Entführer vermummt gewesen seien. Sie haben bisher offenbar noch keine Forderungen gestellt oder Kontakt mit der Familie aufgenommen, was zu der Frage führt, was hinter dem Kidnapping steht. Wollen die Entführer Geld? Oder gibt es auch andere Motive?

Entführungen waren bisher selten in Tansania. Die Polizei spricht von 71 Fällen in den vergangenen drei Jahren, die fast alle aufgeklärt werden konnten. Dewji saß von 2005 bis 2015 für die Regierungspartei im Parlament, er fiel nicht durch kontroverse Positionen auf, schien gute Kontakte zur Opposition zu haben, als Geschäftsmann kein Fehler. Dewji beschäftigt 24 000 Menschen, er finanziert viele soziale Projekte und hat sich der Initiative von Bill Gates angeschlossen und versprochen, mindestens die Hälfte seines Vermögens zu spenden.

Er schien keine Feinde zu haben in Tansania, sein Aufstieg ist ein Symbol, dass man es schaffen kann, die afrikanische Version des Tellerwäschermythos. Dewji wuchs als Sohn indischer Einwanderer in einer Hütte aus Lehm und Sand im Landesinneren auf, der Vater machte aus dem kleinen Laden der Familie ein Großhandelsunternehmen, der Sohn wurde zum Studieren nach Georgetown in die USA geschickt. Nach seiner Rückkehr baute er die Mohammed Enterprises Tanzania Limited zum führenden Konzern des Landes aus. Dewji profitierte davon, dass der Staat Anfang des Jahrtausends viele defizitäre Staatsunternehmen abstieß, die zu lange Verluste gemacht hatten; er griff zu und machte aus den Schnäppchen profitable Firmen. Er war der erste Afrikaner auf dem Titel des US-Wirtschaftsmagazins Forbes, sein Vermögen wird auf 1,3 Milliarden Euro geschätzt. Was Begehrlichkeiten weckte. Zuletzt gab es Gerüchte, dass Staatschef Magufuli unzufrieden sei über den wachsenden Reichtum des Milliardärs, dessen Firmen mal dem Staat gehörten. Die Opposition hat die Regierung nun aufgefordert, sich endlich Hilfe im Ausland zu holen. Das sei kein Zeichen der Schwäche. Sondern des nationalen Interesses.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir Daressalam fälschlicherweise als Hauptstadt Tansanias bezeichnet. Daressalam ist der Regierungssitz. Die Hauptstadt jedoch ist Dodoma.

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