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Steuern, Spenden, Staatszuschüsse:So finanziert sich die katholische Kirche

Freisinger Bischofskonferenz - Gottesdienst

Die mangelnde Transparenz der Kirchenfinanzen ärgert viele Katholiken.

(Foto: dpa)

Der Limburger Bischof prunkt und protzt, der Papst predigt Bescheidenheit. Doch woher nimmt die Kirche eigentlich ihr Geld? Wie hoch ist der Anteil der Kirchensteuer, warum zahlen auch Nicht-Katholiken - und wieso bekommen die Bischöfe ihr Gehalt vom Staat?

Von Felicitas Kock und Sarah K. Schmidt

Seit Langem ist die Kirche auch ein mächtiges Wirtschaftsunternehmen. Historisch waren da etwa der lukrative Ablasshandel oder der Kirchenzehnt. Nur reden mochte man außerhalb von Kirchenkreisen noch nie gern übers Finanzielle - zumindest nicht auf der Einnahmenseite. Beides gilt auch heute noch: Die katholische Kirche ist ein Unternehmen mit einem Milliarden-Haushalt. Über die Finanzierung des Ganzen bewahrt sie gern Stillschweigen.

Doch wer zahlt für Priester, Kirchen, Gottesdienste und Kindergärten sowie Altenkreise? Wie finanziert sich die katholische Kirche in Deutschland? Der Trubel um den Luxus-Neubau von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst stößt diese Fragen neu an. Die Antworten sind komplex.

Kirchensteuer

Der Hauptteil der Einnahmen ergibt sich aus der Kirchensteuer. Diese wird sowohl von der katholischen als auch von der evangelischen Kirche erhoben und ist an die Einkommensteuer beziehungsweise die Lohnsteuer gekoppelt. In Bayern und Baden-Württemberg beträgt sie acht Prozent, in den anderen Bundesländern neun Prozent der Einkommensteuer. In manchen Bundesländern wurde von der Kirche ein Mindestbetrag eingeführt. Wer keine Einkommen- beziehungsweise Lohnsteuer zahlt, ist davon ausgenommen. Insgesamt unterliegt etwa ein Drittel aller Katholiken der Steuerpflicht.

2012 hat die katholische Kirche nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz knapp 5,2 Milliarden Euro durch die Kirchensteuer eingenommen (PDF). Durchschnittlich zahlte in dem Jahr also jeder kirchensteuerpflichtige Katholik etwa 650 Euro.

Eingeführt wurde die Kirchensteuer in Folge der Säkularisation. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die Kirchen weitgehend enteignet, Grundbesitz, zahlreiche Abteien und Klöster fielen an die Landesherren. Diese verpflichteten sich im Gegenzug, für die Kirchen zu sorgen - das bezog sich auf die Erhaltung der Gebäude genauso wie auf das Kirchenpersonal. Die Länder führten bald Kirchensteuern ein, über die sich die Kosten auf die einzelnen Kirchenmitglieder abwälzen ließen.

Einnahmen aus Kirchensteuer werden vermutlich sinken

Heute findet sich die Kirchensteuer im Grundgesetz, genauer in Artikel 140, der das kirchliche Selbstbestimmungsrecht regelt. "Die Religionsgesellschaften, welche Körperschaften des öffentlichen Rechts sind, sind berechtigt, aufgrund der bürgerlichen Steuerlisten nach Maßgabe der landesrechtlichen Bestimmungen Steuern zu erheben", heißt es dort. Wie und in welcher Höhe die Kirchensteuer dann konkret eingezogen wird, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt. Die Kirchen müssen sich hier an die Steuergesetze der Länder halten.

Wie die Einnahmen verwendet werden, entscheidet nicht der Bischof allein, sondern ein sogenannter Kirchensteuerrat. Dieser setzt sich aus Kirchenmännern und Laien zusammen. Im Bistum Essen etwa aus dem Generalvikar, dem Leiter des Finanzdezernats der Kirche, aus zwei amtierenden Priestern, einem Mitarbeiter der bischöflichen Verwaltung und 20 Laien.

Für den Einzug der Kirchensteuer sind fast überall die Finanzämter zuständig, in Bayern gibt es eigene Kirchensteuerämter. Es ist davon auszugehen, dass sich die Einnahmen durch die Kirchensteuer in Zukunft verringern werden, da die Zahl der Kirchenmitglieder kontinuierlich schrumpft. Zwischen 2000 und 2012 sank die Zahl der Katholiken in Deutschland laut Statistischem Bundesamt von 26,82 Millionen auf 24,34 Millionen.

Spenden und Vermögenserträge

Spenden und Kollekten

Einen deutlich niedrigeren Beitrag zu den Kirchenfinanzen machen in Deutschland Spenden und Kollekten aus. So kamen im Jahr 2009 nach Angaben der deutschen Bischofskonferenz etwa 250 Millionen Euro zusammen. Hinzu kommen Sachzuwendungen. Spenden erreichen die Kirche über ganz unterschiedliche Wege, im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen meist katholische Hilfswerke wie Caritas, Adveniat oder Misereor. Daneben gibt es eigene Spendenaktionen der Bistümer und Pfarreien.

Das Bistum Essen, das eine sehr transparente Finanzpolitik fährt, hat seinen Haushaltsbericht für das Jahr 2012 im Internet veröffentlicht (PDF). Aus Spenden und Kollekten ergab sich demnach ein Ertrag in Höhe von 200.000 Euro - etwa 0,1 Prozent der Gesamterträge von mehr als 260 Millionen Euro. Die Einnahmen aus der Kirchensteuer lagen bei etwa 187 Millionen Euro.

Vermögenserträge

Eine weitere Geldquelle der katholischen Kirche ist die Verwaltung ihres umfangreichen Vermögens. Dazu gehören die Erträge aus Geldanlagen und Stiftungen, aber auch die Vermietung und Verpachtung von Grundbesitz und Immobilien.

Die Kirche ist außerdem wirtschaftlich tätig und hat eigene Betriebe und Beteiligungen - seien es Brauereien, Weingüter oder Baufirmen, Versicherungen und Banken oder Medienunternehmen.

Der Anteil dieser Gelder am kirchlichen Gesamthaushalt ist jedoch gering. Das Bistum Berlin beziffert beispielsweise die "Einnahmen aus Kapitalien und Beteiligungen" für das Jahr 2013 auf gut zwei Millionen Euro, was ein Prozent des Haushalts ausmacht.

Milliarden vom Staat

Doch nicht allein die Katholiken in Deutschland finanzieren ihre Kirche - sei es über die Kirchensteuer oder Spenden. Auch vom Staat gibt es regelmäßig Geld und somit von allen Steuerzahlern, egal ob Atheist, Buddhist oder Muslim.

Der Kirchenkritiker Carsten Frerk hat 2010 mit seinem "Violettbuch Kirchenfinanzen" für Aufsehen gesorgt. In der Publikation berechnet Frerk, dass der Staat über direkte und indirekte Leistungen die katholische und evangelische Kirche mit jährlich knapp 20 Milliarden Euro unterstützt. Die etwa 45 Milliarden Euro für Caritas und Diakonie sind darin nicht enthalten.

Tatsächlich ist es kaum möglich, eine genaue Summe anzugeben. Das Finanzierungskonstrukt der Kirche ist weit verzweigt und hoch komplex. Die katholischen Bistümer gehen, wie auch die Evangelische Kirche in Deutschland, sehr zurückhaltend mit einer transparenten Offenlegung sämtlicher Zahlungsflüsse um.

Einen großen Anteil der Zuwendungen vom Staat machen Zuschüsse für kirchliche Angebote und Dienstleistungen aus, beispielsweise für katholische Kindergärten, Altenpflege, kirchliche Schulen und Fachhochschulen oder die Denkmalpflege. Auch für die selbständigen kirchlichen Entwicklungsdienste zahlt der Staat. Das Bischöfliche Hilfswerk Misereor zum Beispiel bekam 2012 vom Entwicklungsministerium 113 Millionen Euro, das sind etwas mehr als 60 Prozent des Gesamtetats von etwa 180 Millionen Euro. Nur 8,2 Millionen kommen aus der Kirche selbst, etwa 4,5 Prozent - der Rest stammt aus Spenden.

Die Bundesländer zahlen die Bischofsgehälter

Besonders schwer in konkrete Zahlen zu fassen ist ein weiterer Aspekt: Der Staat erlässt der Kirche eine Menge Zahlungen. Kirchliche Einrichtungen zahlen beispielsweise keine Steuern auf Zinserträge oder Immobilien, für Baugenehmigungen oder den Notar werden keine Gebühren fällig. Auch für die Erhebung der "Mitgliedsbeiträge" muss die Kirche keine eigenen Leute beschäftigen, das übernehmen die Mitarbeiter der staatlichen Steuerbehörde.

Doch nicht nur der Bund, auch die Länder überweisen jährlich an die Kirche. Mehr als 190 Millionen Euro bekam die katholische Kirche im Jahr 2010 von den Bundesländern. Die Beträge, die hier fließen, machen damit zwar nur einen Bruchteil der staatlichen Leistungen aus, sind aber noch stärker umstritten. Denn hier geht es zumeist um Zahlungen, die aus jahrhundertealten Verträgen und Entschädigungszahlungen für Kirchenenteignungen stammen.

In diesen alten Verträgen liegt auch die Begründung dafür, dass sämtliche Bundesländer - mit Ausnahme der Stadtstaaten Hamburg und Bremen - ihren kirchlichen Würdenträgern das Gehalt zahlen. Dazu gehören Erzbischöfe, Bischöfe, Weihbischöfe und Domvikare - für das untergeordnete Personal wie einfache Priester kommen die Bistümer selbst auf. Und die hohen Geistlichen verdienen durchaus gut: Ihr Gehalt richtet sich nach den Besoldungsstufen der deutschen Beamten. Für die einzelnen Bundesländer bestehen Unterschiede, aber ein Bischof bekommt nach Informationen der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland in der Regel etwa 8000 Euro Brutto-Einkommen im Monat, ein Erzbischof verdient in der Besoldungsgruppe B 11 bis zu 12.000 Euro.

© Süddeutsche.de/jst/lala
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