Missbrauchsfall in Staufen Zehn Jahre Haft für 33-Jährigen

Der wegen Kindesmissbrauchs angeklagte Mann sitzt im Freiburger Gerichtssaal neben seiner Verteidigerin.

(Foto: dpa)
  • Nach dem jahrelangen Missbrauch eines Kindes aus Staufen bei Freiburg ist ein 33 Jahre alter Mann zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden.
  • Der aus der Nähe von Barcelona stammende Mann hatte zugegeben, den heute zehn Jahre alten Jungen mehrfach vergewaltigt und dafür Geld gezahlt zu haben.
  • In dem Fall gab es insgesamt acht Festnahmen und Anklagen. Das Urteil gegen die Mutter und den Lebensgefährten wird das Landgericht Freiburg am Dienstag verkünden.

Im Missbrauchsfall um einen Jungen, der mutmaßlich von seiner Mutter und deren Lebensgefährten für Vergewaltigungen im Darknet angeboten worden ist, gibt es ein weiteres Urteil: Ein 33 Jahre alter Mann aus Spanien muss für zehn Jahre ins Gefängnis. Zudem ordnete das Landgericht Freiburg die Zahlung von 18 000 Schmerzensgeld an. Dieses Geld gehe an das Opfer. Auf die von Staatsanwaltschaft und Nebenklage geforderte Anordnung von Sicherungsverwahrung verzichtete das Gericht. Es gebe hierfür nicht die notwendige rechtliche Grundlage, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Bürgelin.

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Der Missbrauchsfall von Staufen schockiert sogar erfahrene Ermittler. Ihren Anfang nahm die Geschichte bereits im Jahr 2005, nun fällt das Urteil gegen eine Mutter und ihren Lebensgefährten.

Nach der Beweisaufnahme befand das Gericht den Mann unter anderem wegen Vergewaltigung und schweren sexuellen Missbrauchs des Jungen für schuldig. Die Staatsanwaltschaft hatte zwölf Jahre Haft und den Vorbehalt einer Sicherungsverwahrung gefordert. Die Verteidigung verzichtete auf eine Strafmaßforderung.

Der Spanier hatte gestanden, den damals neunjährigen Jungen mehrfach missbraucht zu haben. Er habe schwere Straftaten begangen und dem Jungen großes Leid zugefügt, sagte er vor Gericht. Insgesamt habe er mehr als 10 000 Euro an die Mutter und deren Lebensgefährten bezahlt. Demnach reiste er zwischen September 2016 und August 2017 mehrmals von Spanien nach Deutschland, per Flugzeug und Mietwagen. Für den Missbrauch mietete er extra Ferienwohnungen nördlich von Freiburg an. Er gab sich selbst einen Spitznamen: "Onkel Luc." Als Grund für die Taten nannte er sein sexuelles Interesse an Kindern. Er wolle eine Therapie machen.

Während des Prozesses war bekannt geworden, dass gegen den Spanier in einem anderen Fall wegen Mordes ermittelt wird. Der 33-Jährige soll sich mit einem weiteren Mann in Weißrussland verabredet haben, um ein Mädchen zu missbrauchen und zu töten. Um wen es sich bei dem Mädchen und dem mutmaßlichen Mittäter handele, ist unklar. Der Spanier ließ über seine Anwältin mitteilen, dass er die Vorwürfe zurückweist. Die Justiz ermittelt. Auslöser für den Verdacht waren offenbar Filme und Videos, welche die Polizei bei dem Mann gefunden hat.

Der Spanier ist der fünfte und letzte Angeklagte der Männer, die auf das Angebot eingingen, den Jungen gegen Geld zu missbrauchen. Organisiert haben den Missbrauch mutmaßlich die Mutter des Jungen und deren Lebensgefährte über das Internet - mehr als zwei Jahre lang. Gegen das Paar läuft derzeit ebenfalls ein Prozess vor dem Landgericht Freiburg. Die übrigen angeklagten Männer sind bereits schuldig gesprochen worden. Sie erhielten Strafen zwischen acht und zehn Jahren, drei von ihnen mit anschließender Sicherheitsverwahrung.

Die juristische Aufarbeitung der bundesweit beachteten Tatserie steht damit kurz vor dem Abschluss. Am Dienstag will das Gericht sein Urteil gegen die Mutter und deren Lebensgefährten verkünden.

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