Spanien Königliche Kühle

Kritiker sagen, Spaniens König Felipe präsentiere sich oft allzu unterkühlt. Hinzu kommt, dass auch seine Frau Letizia bei offiziellen Anlässen, wie hier bei einer Militärparade Ende Mai, eher säuerlich wirkt.

(Foto: Getty Images)

Sein Vater Juan Carlos machte derbe Witze und führte ein Jet-Set-Leben. Felipe von Spanien dagegen ist um Ernsthaftigkeit bemüht. Das kommt nicht bei allen gut an.

Von Thomas Urban, Madrid

Bei König Felipe VI. ist es nicht anders als bei den allermeisten Menschen, die eine eigene Webseite haben: Auf dem Profilfoto sieht er deutlich jünger aus als in Wirklichkeit, kein graues Haar, das Gesicht ist glatt rasiert. Dabei wissen aufmerksame Fernsehzuschauer, dass der 49-Jährige einen grauen Bart hat und manche Sorgenfalte auf der Stirn. Auch sonst hat der Webmaster nicht aufgepasst: Unter der Rubrik "Aktivitäten" steht ganz oben seine Weihnachtsansprache 2016. Hinkt Felipe also hinter der Zeit her, wie Spaniens Monarchie-Kritiker meinen?

Als er vor drei Jahren seinem Vater, dem lebenslustigen Juan Carlos, auf den Thron folgte, hatte er gelobt, ein moderner Bürgerkönig zu sein. Doch nun melden sich sogar in der unerbittlich royalistischen Regenbogenpresse erste Stimmen, dass Felipe und auch seine Letizia, die Königin aus dem Volke, viel unnahbarer seien als das damals abgetretene Langzeitkönigspaar Juan Carlos und Sofía. In der Tat macht sich Felipe momentan sehr rar, und wenn er mal auftritt, wirkt er unterkühlt. Ihm fehlen die Jovialität und auch der mitunter derbe Witz seines Vaters; hinzu kommt, dass auch Letizia bei offiziellen Anlässen eher säuerlich dreinschaut.

Die Gegner der Monarchie, die immer wieder an der Puerta del Sol im Herzen Madrids mit den rot-gelb-violetten Fahnen der Republik demonstrieren, haben sich längst auf ihn eingeschossen. "Felipe beweist tagtäglich, wie überflüssig der König ist", heißt es auf einem Spruchband. Linksalternative Gruppen nehmen für sich in Anspruch, Erben der Republik zu sein, die im Bürgerkrieg von den Truppen des nationalkatholischen Generals Francisco Franco beseitigt worden war. Es war Franco, der Felipes Vater Juan Carlos zum Thronerben bestimmt hatte.

Vor zwei Wochen erregte schließlich das von links orientierten Kräften dominierte Parlament der nordspanischen Region Navarra in Pamplona Aufsehen. Die Mehrheit der Fraktionsvorsitzenden sprach sich für ein Referendum über die Abschaffung der Monarchie an. Die Resolution war offenkundig als Affront gegen Felipe gedacht, der am folgenden Tag nach Navarra kam, um ein Technologiezentrum zu besuchen. Eine drastische Geste, auch wenn die spanische Verfassung ein derartiges Referendum gar nicht vorsieht und es nach derzeitigem Stand überhaupt nicht dazu kommen kann. Das Königshaus jedenfalls ignorierte die Provokateure von Pamplona.

Überhaupt scheint für den Hof im Moment die Devise zu gelten: Raus aus den Schlagzeilen! Juan Carlos hatte nämlich das Ansehen der Krone gehörig beschädigt, als offenbar wurde, dass er auf dem Höhepunkt der spanischen Wirtschaftskrise vor fünf Jahren in Begleitung einer "Amiga" an einer Luxussafari in Südafrika teilgenommen und damit auch seine zwar strenge, aber im Volk beliebte Gattin Sofía düpiert hatte. Hinzu kam der große Finanzskandal, für den Iñaki Urdangarin, der Ehemann von Felipes Schwester Cristina, demnächst wohl hinter Gitter kommt.

So hat Felipe für sich die Devise ausgegeben: Rechtschaffenheit und Pflichterfüllung. Bei den Bürgeraudienzen ist er bestens vorbereitet und vermittelt den Eindruck, dass er sich die ihm vorgebrachten Anliegen persönlich zu eigen macht; dagegen stand sein Jetset-Vater Juan Carlos im Ruf, am banalen Alltag seiner Landeskinder wenig interessiert zu sein. Außerdem hat Felipe eine Transparenz-Offensive gestartet: Für die Mitglieder des Königshauses setzte er Gehälter und Apanagen fest, die Zahlen stehen auf der Webseite. Kritiker aber monieren, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil der Kosten für die Casa Real in den Haushalten von Verteidigungs- und Innenministerium versteckt sei.

Die große Mehrheit der Spanier aber ist mit der Amtsführung des abgetauchten Königs überaus zufrieden, vor allem im Vergleich zu Spaniens Spitzenpolitikern, die allesamt ein Imageproblem haben: Auf Premier Mariano Rajoy fällt der Schatten der Korruptionsaffären seiner Parteifreunde, Sozialistenchef Pedro Sánchez war erst von den eigenen Leuten gestürzt worden. König Felipe aber strahlt Ernsthaftigkeit aus, er vermittelt der spanischen Gesellschaft, die den Schock der Krise längst noch nicht bewältigt hat, ein Gefühl der Stabilität. Und er kann als Erfolg verbuchen, dass die Monarchie in Spanien heute gefestigter dasteht als zu seinem Amtsantritt vor drei Jahren.

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