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Nordrhein-Westfalen:Fünf Kinder getötet - Tat schockiert Solingen

Solingen: Mehrere tote Kinder in Wohnung gefunden

Solingen: In diesem Haus sollen mehrere Kinder tot aufgefunden worden sein.

(Foto: Gianni Gattus/dpa)

Eine Großmutter alarmiert die Polizei. Die Beamten finden drei Mädchen und zwei Jungen, die tot in einer Wohnung liegen. Die Mutter steht im Verdacht, sie getötet zu haben. Doch noch weiß die Polizei nicht, wie sich die Tat abgespielt hat.

In einer Wohnung im nordrhein-westfälischen Solingen sind fünf tote Kinder gefunden worden. Das bestätigte die Polizei in Wuppertal am Donnerstag. "Wir nehmen eine Straftat an und werden die Mutter dazu befragen müssen, im Moment ist sie aber noch nicht vernehmungsfähig", sagte Polizeisprecher Stefan Weiand. Die 27-Jährige steht im Verdacht, für den Tod der Kinder verantwortlich zu sein. Die Frau habe nach der Tat einen Suizidversuch unternommen, jedoch schwer verletzt überlebt, so die Polizei. Die Frau sei in ein Krankenhaus gebracht worden.

Der Tatort liegt im Stadtteil Hasseldelle der 160 000-Einwohner-Stadt Solingen. Vor dem Gebäude, einem siebenstöckigen Mehrfamilienhaus, waren am Nachmittag zahlreiche Polizei- und Rettungswagen zu sehen. Der Tatort wurde weiträumig abgesperrt.

Die Kinder, drei Mädchen und zwei Jungen, sollen acht, sechs, drei, zwei und eineinhalb Jahre alt sein. Angaben zum Vater der Kinder machte die Polizei zunächst nicht, am Abend gab sie jedoch bekannt, zu dem Mann Kontakt aufgenommen zu haben.

"Eine Tat, die uns tief ins Herz getroffen hat"

Offenbar hat die Großmutter um kurz nach 14 Uhr die Polizei alarmiert und auf die Mutter als mögliche Täterin hingewiesen, wie aus Kreisen der Polizei verlautete. Die Großmutter soll nicht am Tatort in Solingen gewesen sein, sondern aus dem 60 Kilometer entfernten Mönchengladbach angerufen haben.

Die tatverdächtige Mutter sei mit dem Elfjährigen zum Düsseldorfer Hauptbahnhof gefahren, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Von dort aus sei der Junge allein mit einem anderen Zug Richtung Mönchengladbach zur Großmutter weitergefahren. Die 27-Jährige warf sich den Angaben der Ermittler zufolge um 13.47 Uhr vor eine S-Bahn der Linie 1. Laut einem Feuerwehrsprecher wurde die Frau zwischen zwei Gleisbetten geborgen und verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Die Frau ist laut Polizei Deutsche. Gegen 14 Uhr fanden die Einsatzkräfte die Leichen der fünf Kinder.

Zur Todesursache könnten noch keine Angaben gemacht werden, so Polizeisprecher Weiand. Auf Gerüchte, denen zufolge die Kinder mit Tabletten getötet worden sein könnten, ging er nicht ein. Eine Mordkommission mit 40 Beamten habe die Ermittlungen aufgenommen. Bis in den Abend war die Spurensicherung vor Ort. "Was wann genau warum passiert ist, wissen wir noch nicht, nur, dass es eine sehr tragische Situation ist", sagte Weiand.

Die Ereignisse in Solingen erfüllten ihn "mit großer Trauer", sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) in Düsseldorf. "Im Moment bin ich mit meinen Gedanken und meinem Gebet bei fünf kleinen Kindern, die so furchtbar früh aus dem Leben gerissen wurden." Solingens Polizeipräsident Markus Röhrl sagte: "Das ist eine erschütternde Dimension." Seines Wissens sei "bei uns im Bergischen noch nie zuvor je so etwas vorgekommen." Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) kam am späten Nachmittag zum Tatort und verließ diesen sichtlich schockiert. "Heute ist ein Tag, an dem wir in Solingen sehr traurig sind, weil eine Tat geschehen ist, die uns tief ins Herz getroffen hat".

Hinweis der Redaktion: Wir haben uns entschieden, in der Regel nicht über Selbsttötungen zu berichten, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Der Grund für unsere Zurückhaltung ist die hohe Nachahmerquote nach jeder Berichterstattung über Suizide. Wenn Sie sich selbst betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge (www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten.

© SZ/dpa/olkl/mpu/ick

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