Silvesternacht Zwei Verdächtige wieder freigelassen

Zwei festgenommene Männer sind derweil wieder freigelassen worden. Der Tatverdacht habe sich nicht erhärtet, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Sie seien nicht dem Haftrichter vorgeführt worden.

Zunächst hatte ein Polizeisprecher der Süddeutschen Zeitung bestätigt, dass bei den 16 und 23 Jahre alten Männern aus Marokko und Tunesien Handys sichergestellt worden seien. Darauf sei Videomaterial mit "einwandfreien Bezügen" zu den Übergriffen in der Silvesternacht gefunden worden. Außerdem sei ein Zettel mit arabisch-deutschen Übersetzungen von sexistischen Begriffen sichergestellt worden.

Kölner Polizei lehnte Verstärkung ab

Außerdem wurde am Freitag bekannt, dass das Kölner Polizeipräsidium während der massenhaften Übergriffe rund um den Hauptbahnhof Verstärkung von der Landespolizei angeboten bekommen hat, diese aber nicht annahm. Ein Sprecher des Landesamtes für Zentrale Polizeiliche Dienste NRW (LZPD) bestätigte, dass Personal aus Aachen, Wuppertal und Gelsenkirchen hätte anrücken können. In den drei Städten habe ein Zug mit jeweils 38 Beamten bereit gestanden. Die Leitstelle in Duisburg habe mit Kölner Verantwortlichen in ständigem Kontakt gestanden.

Der LZPD-Sprecher bestätigte aber auch Medienberichte, wonach die Kölner Polizei in der Planungsphase des Silvestereinsatzes mehr Polizei angefordert hatte als sie schließlich bekam. "Die Kölner Kollegen haben drei Züge angefordert und zwei Züge bekommen. Das war aber immer noch doppelt so viel wie in den vergangenen Jahren an Silvester." Die Eskalation in Köln sei nicht vorhersehbar gewesen, auch sei es Aufgabe des LZPD, die Lage in ganz Nordrhein-Westfalen im Blick zu haben. "Und am Einsatztag selbst hätten die Kölner Kollegen dann eben weitere Kräfte anfordern können."

Zahl der Anzeigen steigt weiter

Bis zum Freitag wurden der Polizei zufolge wegen der Ereignisse in der Silvesternacht in Köln 170 Anzeigen erstattet, drei Viertel davon hätten einen sexuellen Hintergrund.

Die Bundespolizei hat 31 Tatverdächtige identifiziert, darunter 22 Asylbewerber. Wie ein Sprecher des Bundesinnenministeriums in Berlin sagte, handelt es sich bei den festgestellten Delikten überwiegend um Körperverletzungen und Diebstähle. Sexualdelikte seien bisher nicht mit den Asylbewerbern in Verbindung gebracht worden, hieß es. Verdächtige seien in diesen Fällen auch noch nicht ermittelt.

Unter den 31 namentlich bekannten Verdächtigen sind laut Bundespolizei neun algerische, acht marokkanische, fünf iranische, vier syrische, ein irakischer, ein serbischer, ein US-amerikanischer und drei deutsche Staatsangehörige. Der Ministeriumssprecher betonte, es handele sich lediglich um Fälle, die in den Zuständigkeitsbereich der Bundespolizei fielen - also auf dem Bahnhofsgelände und bis zu einer Entfernung von 30 Metern auf dem Vorplatz.

Übergriffe in Köln Schock, Schwere, Not

Seite Drei: Köln und die Nachwirkungen

Schock, Schwere, Not

Langsam sickert ins Bewusstsein, dass an Silvester in Köln mehr kaputt gegangen ist als das Vertrauen in die Polizei.   Von  Bernd Dörries, Nico Fried und Kristiana Ludwig

Die Kölner Polizei hat mehr als 20 weitere mutmaßliche Täter identifiziert, gegen die sie ermittelt. Spiegel online zufolge könnten unter ihnen zwei der Polizei bekannte Marokkaner sein. Die beiden 18- bzw. 19-Jährigen sollen demnach bereits als sogenannte "Antänzer", Trickdiebe, aufgefallen sein und wurden in einem Verfahren zu einem Jugendarrest von einer Woche verurteilt.

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