Schweiz 20 Menschen sterben beim Absturz einer Junkers Ju-52

Die Ju-52 stürzte in etwa 2.450 Meter Höhe bei Flims im schweizerischen Graubünden ab.

(Foto: AP)
  • Beim Absturz eines Oldtimer-Flugzeugs in den Schweizer Alpen sind alle 20 Menschen an Bord ums Leben gekommen.
  • Das Flugzeug ist an der Westflanke des Berges Piz Segnas im Osten des Landes abgestürzt, auf etwa 2540 Metern Höhe.
  • Dass die derzeit vorherrschende große Wärme Einfluss gehabt haben könnte, schlossen die Behörden nicht aus.
Von Eva Casper, Hans von der Hagen und Hannes Munzinger

In den Schweizer Alpen ist am Samstag ein Flugzeug des Typs Junkers Ju-52 abgestürzt. 17 Passagiere und drei Besatzungsmitglieder sind tot. 17 Menschen stammten aus der Schweiz, drei aus Österreich. Die Betreibergesellschaft schrieb auf ihrer Webseite: "Das Team der Ju-Air ist tief traurig und denkt an die Passagiere, die Crew und Familien und Freunde der Verunglückten." Die Bergungsarbeiten dauern an.

Die Absturzursache ist unklar. Die Behörden schlossen in einer Pressekonferenz am Sonntagnachmittag nicht aus, dass die derzeit vorherrschende große Wärme Einfluss gehabt haben könnte. "Die Hitze kann ein Faktor gewesen sein", sagte Kurt Waldmeier, Mitbegründer der betroffenen Ju-Air, die seit 35 Jahren Rundflüge mit drei Maschinen dieses Typs durchführt. "Hohe Temperaturen können eine Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit eines Flugzeugs bedeuten", sagte auch Daniel Knecht, Bereichsleiter für Aviatik bei der Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle (SUST).

Hitze sei aber keine Gefahr an sich, es komme es auf den Umgang mit der Maschine an. "Grundsätzlich ist Hitze mit einer Verdünnung der Luft verbunden", sagte Knecht. "Das Flugzeug hat bei gleicher Höhe weniger Leistung. Bei Hitze ist die Situation anspruchsvoller, es braucht mehr Erfahrung, um damit umgehen zu können."

Beide Piloten verfügten nach Angaben von Ju-Air über große Erfahrung - sie arbeiteten etwa 30 Jahre lang sowohl im Linienverkehr als auch für die Schweizer Luftwaffe. Einen Notruf setzten sie vor dem Absturz nicht ab. Die Ju-52 wird auf Sicht geflogen - die Piloten navigieren nach Karten und halten vorgeschriebene Abstände und Flughöhen ein. Sie entscheiden selbst, welche Route sie wählen und ob sie diese wetterbedingt abändern. Über eine Blackbox, die in neueren Flugzeugen die Flugdaten aufzeichnet, verfügte die Maschine nicht.

Zusammenstoß gilt als unwahrscheinlich

Knecht sagte, dass "das Flugzeug nahezu senkrecht und mit hoher Geschwindigkeit auf den Boden geprallt" sei. Als unwahrscheinlich gilt ein Zusammenstoß in der Luft. Hinweise auf Fremdeinwirkung gibt es nicht. Auch soll, so die Polizei, das 79 Jahre alte Flugzeug vor dem Unglück keine Teile verloren haben. "Das Alter einer Maschine steht in keinem Zusammenhang mit der Gefährlichkeit", sagte Knecht. Nach Angaben von Ju-Air wurde die Maschine wegen ihres hohen Alters alle 35 Flugstunden gewartet - zuletzt erst Ende Juli. Dabei und auch bei der letzten Jahresüberholung im Winter seien keine technischen Probleme erkennbar gewesen.

Der Kantonspolizei Graubünden zufolge geschah der Absturz an der Westflanke des Berges Piz Segnas im Osten des Landes auf etwa 2540 Metern Höhe. Die Polizei war bereits in der Nacht mit mehreren Helikoptern und einem Großaufgebot an Rettungskräften im Einsatz.

Ju-Air ist im schweizerischen Dübendorf bei Zürich ansässig und veranstaltet wöchentlich Rundflüge über die Alpen und Charterflüge, die aufgrund der großen Beliebtheit lange Zeit im Voraus ausgebucht sind. Die Behörden bestätigten, dass es sich bei diesem Flug um den Rückflug von Locarno nach Dübendorf handelte. Die Maschine hatte die Passagiere am Donnerstagmorgen von Dübendorf nach Locarno gebracht. Am Samstag flogen sie zurück.

Der Flugbetrieb der Ju-Air ist nun bis auf Weiteres eingestellt, teilte das Unternehmen mit. Die Gesellschaft bot auch Rundflüge in Deutschland an, darunter in Mönchengladbach, Leverkusen und Mainz. Auch dort ruhe der Betrieb, sagte Waldmeier.

Nach Angaben der Mitteldeutschen Zeitung handelt es sich bei dem Unglücksflugzeug um eine Maschine, die im Oktober 2009 auf den Namen "Dessau" getauft worden war. Drei Flugzeuge dieses Typs waren am 4. Oktober 1939 von Dessau in die Schweiz geliefert worden. Dort waren sie den Angaben zufolge unbewaffnet bis 1981 im Dienst der Schweizer Luftwaffe als Schul-, Beobachtungs- und Transportflugzeuge im Einsatz. Im Lawinenwinter 1951, als weite Teile des Landes von der Außenwelt abgeschnitten waren, seien zudem Menschen mit der Ju-52 versorgt worden. Später sei eine Verschrottung durch eine landesweite Spendenaktion verhindert worden.

Das Foto zeigt ein Flugzeug vom Typ Junkers Ju-52 bei einem Rundflug.

(Foto: dpa)

Maschine war auch über München als Touristenflugzeug unterwegs

Ju-Air gehört zum Verein von Freunden der schweizerischen Luftwaffe (VFL), der 1981 die drei ausgemusterten Junkers-Maschinen übernommen hatte. Das auch "Tante Ju" genannte Modell ist eines der bekanntesten historischen Flugzeuge. Die verunglückte Maschine mit der Kennung "HB-HOT" war in der Vergangenheit auch zu Rundflügen vom Flugplatz Schleißheim bei München gestartet, bestätigte der Schleißheimer Flugleiter Felix Siefken.

Die Ju-52 steht wie kaum ein anderes Flugzeug für die deutsche Luftfahrtgeschichte, sie gilt als eines der frühesten Passagierflugzeuge der Welt. Mit ihr begann in Deutschland vor gut acht Jahrzehnten die kommerzielle Luftfahrt. Die Lufthansa startete von Deutschland aus mit Junkers-Flugzeugen unter anderem zu Zielen in Nord- und Südamerika sowie in Asien. In den dreißiger Jahren war die Ju-52 das meistgeflogene Flugzeug Europas.

Mit Material von dpa.

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